Kurz sind die Nächte im Juli – und hell: Die astronomische Dämmerung, definiert durch einen Sonnenstand von mindestens 18 Grad unter dem Horizont, wird in der ersten Monatshälfte in der Mitte Deutschlands gar nicht erreicht. Erst von der Monatsmitte an ergibt sich wieder so etwas wie „richtige“ Dunkelheit. Und doch bietet der Juli einen Logenplatz für den Blick auf die Milchstraße. Die Sonne kreuzt in diesen Wochen das Sternbild Zwillinge, und damit aus unserer Sicht die äußeren Regionen unserer Heimatgalaxie, was bedeutet, dass im Juli unser nächtlicher Blick auf das Zentrum der Milchstraße fällt.
Noch vor Mitternacht zieht sich ihr diffus leuchtendes Band vom südlichen Horizont nach Nordosten, durch die Sternbilder Skorpion, Schütze, Adler, Schwan bis hin zu Kassiopeia und Perseus. Zu Gesicht bekommt man es allerdings nur, wenn man sich weitab der hell erleuchteten Städte begibt und der Mond nicht stört, was in diesem Monat um den 14. Juli herum der Fall ist. Wer es schafft, der allgegenwärtigen Lichtverschmutzung zu entkommen, kann eine der großartigsten Naturlandschaften bestaunen, die man mit dem freien Auge sehen kann.
Die Milchstraße wird getrennt durch dunkle Zonen scheinbaren Nichts
Wer darüber hinaus genau hinschaut, merkt bald, dass das Faszinierendste an unserer Galaxie vor allem das ist, was man nicht sieht: Die Milchstraße ist nämlich nicht einfach ein weißlich-schimmerndes Band, sondern vielmehr eine Aneinanderreihung von großen, kleinen, hellen und weniger hellen diffusen „Wolken“, voneinander getrennt durch dunkle Zonen scheinbaren Nichts. Besonders im Abschnitt zwischen den Sternbildern Schwan und Adler wirkt die Milchstraße wie ein heller Fluss mit dunklen Ufern und Inseln: An manchen Stellen scheint er mit dem Schwarz des Weltalls zu zerfließen, anderswo wird er scharf begrenzt.

Die hellen Wolken bestehen aus Sternen – viele Millionen an der Zahl, aber zu weit entfernt, um sie mit dem bloßen Auge als Lichtpunkte zu erkennen. Ein Fernglas zerlegt die Sternwolken zumindest teilweise in ihre Bestandteile. Was die dunklen Zonen angeht: Bis ins frühe 20. Jahrhundert dachten viele Astronomen, dass sie tatsächlich von Sternen und anderen Objekten entvölkerter Raum sind.
Heute wissen wir, dass das Gegenteil der Fall ist: Die „Dunkelwolken“ sind voller Gas- und Staub, zusammengesetzt aus Atomen, Molekülen und Staubpartikeln, jedes nicht größer als die Feinstaubpartikel in den Lungen von Stadtbewohnern und Zigarettenrauchern, aber mit kombinierten Gesamtmassen, die die Masse der sichtbaren Sterne übertreffen. Dort findet sich Materie zusammen, aus der neue Sterne und Planeten entstehen – es sind also diese vermeintlich „leeren“ Zonen, in denen die Milchstraße wirklich lebt!
Nur ein sehr kleiner Teil der Milchstraße lässt sich überblicken
Ihr Staub blockiert allerdings auch das Licht der dahinterliegenden Sterne, zumindest im sichtbaren Spektralbereich. Das ist der Grund, weshalb wir von unserer Milchstraße nur einen sehr kleinen Teil überblicken können, nämlich unsere solare Umgebung und die unmittelbar benachbarten Spiralarme. Dort, wo wir helle Sternwolken sehen, reicht unser Blick also besonders weit.
In Richtung Schütze findet man die einander teilweise überlappenden Sternwolken des sogenannten Sagittarius-Arms, jenes aus unserer Sicht in Richtung des galaktischen Zentrums liegenden Spiralarms. Ihre Entfernung zu uns und ihre Größe variieren stark: Generell sind sie in Richtung des Sternbilds Schütze mit 500 bis 650 Lichtjahren schmaler als in Richtung Schwan, wo sie mehr als 3000 Lichtjahre breit sind.
Genau dort, im Schwan, finden wir südwestlich von Gamma Cygni, dem Mittelpunkt des aus den hellsten Sternen des Schwans gebildeten Kreuzes, eine der hellsten und größten Sternwolken der Galaxie, die Cygnus-Sternwolke. Von unseren Breiten gesehen, wo sie im Laufe der Nacht durch den Zenit wandert, ist sie oft der hellste Teil des Milchstraßenbands.
Etwas südlich, in Richtung des Sternbilds Adler, teilt sich die Milchstraße in einen diffusen, mit dem Sternhintergrund verschwimmenden nördlichen Teil und einen klarer definierten, aus mehreren Sternwolken bestehenden südlichen Teil. Das die beiden Ufer trennende dunkle Band wird am Südrand des Adlers sehr breit und überdeckt alsbald das nördliche Ufer, während am südlichen wie eine helle Insel die markante Scutum-Sternwolke heraussticht. Sie liegt etwa 6000 Lichtjahre von uns entfernt.
Horizontdunst und Lichtverschmutzung erschweren die Sicht
Südwestlich der Scutumwolke beginnt der interessanteste und hellste Teil der Milchstraße. Leider dämpfen von mitteleuropäischen Standorten Horizontdunst und Lichtverschmutzung in unseliger Allianz das Licht der tief am Himmel stehenden Milchstraßenregionen, sodass die Scutumwolke meist das mit bloßem Auge sichtbare Ende des Milchstraßenbands bildet – und auch das nur bei klarem, dunklem Himmel. Um das Zentrum der Milchstraße in voller Pracht zu erleben, muss man sich deshalb in südlichere Gefilde begeben, der Mittelmeerraum (fernab der verschwenderisch beleuchteten Touristenküsten) reicht schon.
Der Planetenhimmel zeigt sich im Juli zweigeteilt. Nach Sonnenuntergang erscheint über dem Westhorizont im Sternbild Löwe die helle Venus, inzwischen solo: Jupiter und Merkur, im Juni noch ihre Begleiter, stehen nun hinter oder vor der Sonne am Taghimmel und sind nicht länger sichtbar. Nach Venus’ Untergang (auf der Karte fehlt sie schon, da sie vor 23 Uhr untergeht) muss man sich lange gedulden, bis weit nach Mitternacht im Osten der fahle Saturn in den Fischen auftaucht.

Noch später, in der Morgendämmerung, erscheint im Stier der Mars; der Rote Planet kehrt nach längerer Abwesenheit auf die Himmelsbühne zurück und durchquert im Juli das „Goldene Tor der Ekliptik“, eine imaginäre Himmelsregion, die von den markanten Sternhaufen der Plejaden (dem „Siebengestirn“) und den Hyaden eingerahmt wird.
Schließlich lassen sich von Mitte Juli an auch die ersten Sternschnuppen der Perseiden blicken: Die Meteore erscheinen an beliebigen Stellen des Himmels, ihre Leuchtspuren weisen jedoch alle auf das Sternbild Perseus zurück. Wir finden den Perseus in der ersten Nachthälfte tief am nördlichen Horizont, später im Laufe der Nacht halbhoch im Nordosten. Die Zahl der Perseiden nimmt bis Ende Juli zwar zu, das aber tut auch die Mondphase. Somit fallen viele Sternschnuppen dem Mondlicht zum Opfer. Doch bis zum Perseidenmaximum dauert es noch bis zum 12. August – zeitgleich mit einem in diesem Jahr ganz besonderen Neumond!
Sonne: 1. Juli, Sonnenaufgang 5.20 Uhr, Sonnenuntergang 21.38 Uhr; 31. Juli, Sonnenaufgang 5.53 Uhr, Sonnenuntergang 21.10 Uhr
Mond: 7. Juli, 21.29 Uhr: Letztes Viertel; 14. Juli, 11.44 Uhr: Neumond; 21. Juli, 13.06 Uhr: Erstes Viertel; 29. Juli, 16.36 Uhr: Vollmond.
