
Philipp Navratil kommt mit dem Umbau von Nestlé voran. Der Schweizer, der seit September vergangenen Jahres an der Spitze des größten Nahrungsmittelherstellers der Welt steht, hat einen Partner für das Geschäft mit Tafel- und Mineralwasser gefunden. Dieses Manöver war noch von seinem Vorgänger Laurent Freixe aufgegleist worden, der wegen einer verheimlichten Liebesbeziehung zu einer Untergebenen gehen musste.
Der faktische Ausstieg aus dem Wassergeschäft, das künftig nur noch indirekt über das Beteiligungsergebnis in der Konzernbilanz auftaucht, war längst überfällig. Nicht nur lassen die Ergebnisse in dieser Sparte seit vielen Jahren stark zu wünschen übrig. Überdies haben die zahlreichen Skandale im Wassergeschäft das Image des gesamten Konzerns beschädigt und Nichtregierungsorganisationen viel Futter im Kampf gegen ihren Lieblingsfeind Nestlé geliefert. Die Aufarbeitung des Anfang 2024 aufgedeckten Skandals um illegale Methoden zur Reinigung von Mineralwasser sorgt in Frankreich bis heute regelmäßig für Schlagzeilen.
Konzentration auf starke Marken wie Nespresso, Maggi oder Kitkat
Die noch laufenden juristischen Auseinandersetzungen zu diesem Fall dürften ausschlaggebend dafür sein, dass es so lange gedauert hat, bis ein Deal zustande kam. Gegen die damit verbundenen Risiken hat sich der Finanzpartner Platinum Equity gewiss abgesichert. Zugleich stellt sich die Frage, warum Nestlé nicht ganz aus dem Wassergeschäft aussteigt.
Vermutlich hat das mit den guten Erfahrungen im Speiseeisgeschäft zu tun, das die Schweizer schon vor etlichen Jahren in ein Gemeinschaftsunternehmen eingebracht hatten. Dieses hat sich seither hervorragend entwickelt. Gelingt so etwas auch im Wassergeschäft, in dem Marken wie Perrier und San Pellegrino mit neuen aromatisierten Wässerchen in Aludosen gerade Erfolge feiern, kann Nestlé als Miteigentümer profitieren – und seinen Anteil später immer noch versilbern.
Insgesamt ist Navratil auf dem richtigen Weg. Er sortiert schwache Einheiten aus und konzentriert die Ressourcen auf starke Marken wie Nescafé, Nespresso, Purina, Maggi und Kitkat. Nur mit steigendem Absatzvolumen kann Navratil Marktanteile zurückgewinnen und die Fabriken auslasten. Mit Preiserhöhungen muss er indes sehr vorsichtig sein: Überzieht er, wandern noch mehr Kunden zu den Handelsmarken ab.
