Zwei Monate ist es schon her, dass der Irankrieg begonnen hat. Seitdem ist der Luftraum über dem Krisengebiet weitgehend gesperrt. Das hat große Auswirkungen für Flugpassagiere weit über die Region hinaus. Auch in Europa und Deutschland sind sie zu spüren.
Das geht schon mit der Auswahl an Flügen los. Von Europa in den Nahen Osten ist sie naturgemäß dramatisch geschrumpft. Lufthansa, Eurowings, Condor, Ryanair und andere europäische Fluggesellschaften haben ihre Flüge bis mindestens Ende Mai, manche gar bis Ende Oktober eingestellt. Die Fluggesellschaften vom Golf fliegen noch nach Europa, aber in deutlich geringerem Umfang. Am stärksten traf es zu Beginn der Krise Qatar Airways, die vor dem Krieg die meisten Flüge nach Europa anbot und ihr Angebot um fast 90 Prozent reduzieren musste, wie Zahlen der europäischen Flugsicherungsorganisation Eurocontrol zeigen. Nun, mit dem Waffenstillstand und der Wiedereröffnung einiger Lufträume, konnte die Airline zusätzliche Flüge anbieten, die Zahl liegt jetzt noch knapp um die Hälfte niedriger als vor dem Krieg. Konkurrent Emirates reduzierte das Angebot nur um ein Drittel und bietet nun die meisten Verbindungen nach Europa an. Stark traf es auch Turkish Airlines, die häufig nach Nahost flog.
Damit ist auch ihr Drehkreuz in Istanbul der am stärksten in Europa vom Krieg betroffene Flughafen, vor London-Heathrow. Von Frankfurt aus liegt das Angebot in den Nahen Osten 40 Prozent niedriger als vor dem Krieg. Insgesamt fliegen von Europa nach Nahost und zurück derzeit 52 Prozent weniger Flugzeuge, jetzt sind es noch rund 1000 am Tag.
Durch die große Beschränkung der Flughäfen am Golf, zum Beispiel in Qatar und Dubai, sind auch Passagiere von Europa nach Asien oder ins östliche Afrika betroffen, die am Golf umsteigen wollten. Ihre Flüge wurden zu großen Teilen gestrichen. Sie müssen nun ihre Reisen verschieben oder auf europäische oder asiatische Fluggesellschaften umsteigen, die direkt unter Umgehung der Krisenregion nach Asien fliegen. Airlines wie die Lufthansa haben deswegen schon die Zahl ihrer Flüge nach Asien erhöht, stoßen aber auf Restriktionen der dortigen Flughäfen, die nur wenige oder gar keine zusätzlichen Flüge erlauben, um den Verbrauch an knappem Kerosin nicht zu erhöhen. Den teilweisen Ausfall der Golfgesellschaften können die Europäer und Asiaten schon wegen fehlender Flugzeuge nicht ausgleichen.
Das hat negative Folgen für die Passagiere. Das knappere Flugangebot, der mehr als verdoppelte Kerosinpreis und der Fokus auf die tendenziell teureren europäischen Fluggesellschaften machen Flugreisen nach Asien kostspieliger. Das hat die Reiseplattform Vivido analysiert. Danach sind derzeit Reisen von Europa Richtung Osten um durchschnittlich 17 Prozent teurer, wenn nicht am Golf umgestiegen wird und die günstigeren Golflinien nicht genutzt werden. Der größte Preisunterschied ergab sich für Reisen nach Bali, Seychellen, Mauritius und Thailand mit mehr als 20 Prozent. „Ohne Emirates, Qatar Airways und Etihad steigen die Preise im Schnitt um fast 400 Euro pro Buchung“, sagt Tobias Boese, Chef von Vivido. Und manchmal sind gar keine Flüge im Angebot. „An fast 14 Prozent aller analysierten Abflugtage gab es ohne Umstieg am Golf keine zumutbare Alternative.“ Zumutbar war dabei für Vivido ein Flug mit einem Stopp und einer Gesamtreisezeit von höchstens 20 Stunden.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Aber selbst wenn die Passagiere einen Flug bekommen, müssen sie in der Regel weitere Einschränkungen in Kauf nehmen: Die Flugzeiten verlängern sich. Durch die Sperrung des iranischen Luftraums bleiben Fluggesellschaften nur noch wenige Flugrouten auf dem Weg nach Asien, zumal auch der ukrainische weiter blockiert und der russische durch Sanktionen zumindest für westliche Gesellschaften tabu ist. So gelangen die Flugzeuge von Europa nach Asien nur noch durch einen schmalen Korridor über Georgien oder südlich über Saudi-Arabien und den Oman.
Für die europäischen Airlines heißt das: höherer Kerosinverbrauch und damit zusätzliche Kosten. Und wenn die maximalen Reichweiten eines Flugzeugs oder Einsatzzeiten der Crews erreicht sind, können zusätzliches Personal und weitere Zwischenstopps nötig werden. Auch das macht die Flüge teurer. Eurocontrol schätzt, dass durch die Umwege täglich 1150 Flüge betroffen sind. Dadurch werden täglich 200.000 Kilometer und fast 500 Stunden zusätzlich geflogen und knapp 2000 Tonnen CO2 zusätzlich ausgestoßen. Chinesische und andere nicht westliche Airlines haben hingegen den Vorteil, dass sie von Asien nach Europa weiter den russischen Luftraum und damit eine viel kürzere Strecke nutzen können. Dafür sind deren Aktionäre stärker betroffen. Die Aktienkurse chinesischer und japanischer Airlines haben besonders unter den Einschränkungen gelitten, weil in Asien schon jetzt Kerosinmangel das Wachstum bremst.
Aber es gibt auch positive Nachrichten. Die Fluggesellschaften haben ihr Angebot von Europa in andere Weltregionen ausgebaut, zum Beispiel nach Afrika oder innerhalb Europas. Hier profitieren Passagiere von mehr Auswahl. Das weltweite Angebot liegt leicht über dem von 2025. Und es bleibt eine Hoffnung: Wenn der Irankrieg endgültig endet, kann sich die Luftfahrt schnell wieder normalisieren – anders als der Schiffsverkehr, der noch länger unter den Folgen der aktuellen Sperrung der Straße von Hormus leiden dürfte.
