Die Frage, wann die geeignete Zeit ist, sich einen Grill zu kaufen, ist schnell beantwortet. Jederzeit! Denn das Wetter spielt keine Rolle mehr. Outdoor heißt nur noch, dass ein Teil der Küche draußen auf Balkon oder Terrasse steht. Gegessen wird gegebenenfalls drinnen. Damit der Grill ohne Schaden Regen und Schnee überlebt, muss er entsprechend gerüstet sein. Wie etwa der Koqoon GQ4. Der Körper dieses Grills besteht aus feuerverzinktem Edelstahl, der zudem pulverbeschichtet ist.
Die Unternehmensgruppe Kopf, die diesen Grill herstellt, kennt sich bestens damit aus, wie man Produkte wetterbeständig macht. Vor mehr als fünfzig Jahren beginnt ihre Geschichte mit einer Feuerverzinkerei. Als einigen der 3000 Mitarbeiter die Entlassung droht, weil die Nachfrage nach Handbremsen stark zurückgeht, rettet die Geschäftsführung betroffenen Angestellten den Job, indem sie als neues Geschäftsfeld den High-End-Grill entdeckt.
Minimalistisches Design
Herausgekommen ist ein Produkt, das in der Nähe von Stuttgart entwickelt, designt, konstruiert sowie hergestellt wird und in der Oberklasse direkt mit dem Block D von Flammkraft konkurriert. Dieser Grill wird ebenfalls in Deutschland hergestellt und fällt ebenso durch schickes minimalistisches Design auf. Allerdings ruft Flammkraft für sein Produkt mehr als 7000 Euro auf. In der Grundausstattung ist der GQ4 für circa 5000 Euro zu haben. Wer dennoch Geld übrig hat, kann sich nicht nur bei den beiden Unternehmen mit Erweiterungen austoben.

Alltime-Griller bauen gerne ihre modulare Küche aus. Etwa mit einem Trolley für den Koqoon. Dies ist ein Beistelltisch mit Stauraum und einer Edelstahlfläche. Der Organizer sortiert in einer Schublade den Pizzastein oder die Teppanyaki-Platte, damit das Zubehör schnell zur Hand und über den Brennern ist. Hier bieten andere Hersteller mehr Optionen. An deren Grills lassen sich Waschbecken, Kühlschrank, Gaskochfeld oder Beefer anbauen.
Vier Brenner mit fünf Kilowatt
Deshalb zurück zum Wesentlichen. Koqoon verzichtet auf Sonderflächen wie etwa eine Sizzle Zone. Es gibt im Grillraum vier gleich große Bereiche, die bei Bedarf mit einem Blech zu trennen sind. Jede Zone hält eine vom Koch eingestellte Temperatur zwischen 80 und 400 Grad Celsius, die jeweils ein Gasbrenner mit bis zu fünf Kilowatt beheizt. Über ihnen sitzen massive Edelstahlroste, die sich ebenso wie die Flammbleche und Fettauffangschalen in der Spülmaschine reinigen lassen.

Ein besonderes Merkmal am GQ4 ist die Steuerung der Temperatur mit berührungsempfindlichen Elementen, die rund um einen kleinen Bildschirm auf einer Glasfläche an der Front angeordnet sind. Das Bedienfeld ist übersichtlich gestaltet. Und einfach zu bedienen: Zone auswählen und mit dem Finger auf einem Kreis die Wunschtemperatur auswählen wie mit dem Click Wheel des ersten iPods von Apple. Die wird direkt am Rost mit vier Sensoren gemessen. Die Bedienung erinnert an die von modernen Backöfen der Oberklasse, die komplett ohne Drehregler auskommen. Mit fettigen Fingern lassen sich die Bedienelemente dennoch zuverlässig bedienen.
Da schaut man gerne zu
Was als alternative Methode an High-End-Grills nicht mehr fehlen darf, ist die Verbindung mit dem Smartphone und die Steuerung über die entsprechende App. Auch hier wirbt der Hersteller mit der Möglichkeit, aus der Ferne den Grill kontrollieren zu können. Das mag sinnvoll sein, wenn man Fleisch über Stunden bei niedriger Temperatur gart. So lässt sich mit dem Smartphone über das mit dem Gerät verkabelte Fleischthermometer entspannt beobachten, wann es den geeigneten Garpunkt erreicht hat.

Aber wir sind der Meinung, dass der richtige Platz für den Koch am Grill ist. Denn gerade für seine emotionale Bindung zum Lebensmittel hält der Koqoon ein unverzichtbares Element bereit. Im vorderen Teil des Deckels sitzt ein großzügiges Sichtfenster aus Keramikglas, sodass man fortwährend zuschauen kann, was auf dem Grillrost vor sich geht. Zudem spart die Durchsicht Energie, weil man nicht den Deckel zur Kontrolle hochheben muss. Der ist am Koqoon so konstruiert, dass er sich beim Öffnen mit dem breiten Eichenholzgriff platzsparend recht flach nach hinten schiebt und nicht hochsteht wie eine geöffnete Motorhaube.
App hilft mit Rezepten
Was der Koqoon exklusiv für sich reklamiert, ist das Guided Grilling. Angelehnt an den Begriff des Guided Cooking, das für Multifunktionskocher wie Thermomix oder Bosch Cookit reserviert ist, soll das Verfahren den Koch für ausgewählte Gerichte durch die Garprozesse führen. Die App übernimmt dann die Einstellungen am Grill. Für die Rezepte steuert die recht bekannte Köchin Cornelia Poletto ihre Expertise bei. Bei einem Event in ihrem Hamburger Restaurant konnten wir zunächst zuschauen, wie mit dem Koqoon gegrillt wird, und verkosten, was dabei herauskommt.
Der Koqoon GQ4 lockt eher Gourmetfreunde mit Bewusstsein für Design als Superprofidauergriller mit der Lincence to grill. Wer mehrmals die Woche alle Spielarten der Fleischzubereitung durchspielen will, wird sich eher für Produkte mit Heckbrenner, Sizzle Zone und viel Ablagefläche interessieren. Doch der Mehrheit dürften vier Temperaturzonen genügen, die auf das Grad genau einheizen. Das Bedienfeld dürfte jene anziehen, die auf diese Weise Backofen mit Kochfeld bedienen. An diesem haben sie womöglich eine Funktion lieb gewonnen, die der Koqoon ebenfalls vorweisen kann. Der Innenraum lässt sich mit Pyrolyse reinigen. Es darf also ruhig saftig zugehen.
