Wenn Martijn Rozemuller an die vergangenen Monate zurückdenkt, gerät er ins Schwärmen. Der Niederländer ist Europachef des ETF-Anbieters Van Eck, der normalerweise ein wenig im Schatten der großen Fondsgesellschaften wie Blackrock steht. Rozemuller sagt: „Das war das beste erste Halbjahr, das wir in Europa je hatten.“ Das verwaltete Vermögen auf dem Kontinent ist auf 47 Milliarden Dollar gestiegen, zu Jahresbeginn waren es gerade einmal 30 Milliarden Dollar.
Die Entwicklung hat mit einer Spezialität der Firma zu tun: Van Eck hat vor allem Themen-ETF im Angebot, eine Sonderform der populären Indexfonds. Diese bilden üblicherweise große Börsenbarometer wie den amerikanischen Index S&P 500 oder den deutschen Dax nach. Seit einiger Zeit suchen Anleger ihr Heil jedoch in spezielleren ETF, die beispielsweise nur die Wertentwicklung von Aktien eines einzelnen Sektors nachzeichnen. Mit ETF dieser Art können die Anbieter mehr verdienen, die Gebühren sind üblicherweise etwas höher. Ob sie sich allerdings auch für die Anleger auszahlen, ist eine andere Frage. Schließlich ist das Risiko von Kursschwankungen deutlich höher, wenn man sein Geld nur in die Aktien einer einzelnen Branche investiert oder in ein einzelnes Thema.
Eine skurrile Situation

Im Falle von Van Eck hat sich nun eine skurrile Situation ergeben: Einer der ETF mit den meisten Zuflüssen im ersten Halbjahr war der „Van Eck Space Innovators“. Dieser konzentriert sich auf das kleine Feld von Unternehmen, die in irgendeiner Form mit dem Weltraum Geld verdienen. Ausgerechnet das Weltraumunternehmen SpaceX, das Elon Musk am Freitag vor einer Woche an die Börse gebracht hat, ist aber nicht im ETF enthalten. Trotzdem hat der Indexfonds seit Jahresanfang Nettozuflüsse in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar erhalten. Damit hat er sein Volumen innerhalb kürzester Zeit mehr als verdoppelt. „Wir profitieren in einigen unserer ETF ganz klar von der Euphorie rund um die SpaceX-Aktie“, sagt Europachef Rozemuller. Über die Motive der Anleger kann er nur spekulieren: Ob beispielsweise jeder von ihnen wirklich mitbekommen hat, dass die SpaceX-Aktie gar nicht Teil des ETF ist, lässt sich nicht sagen.
Rozemuller kann sich über die Entwicklung aber nicht nur freuen, sondern er ist auch besorgt. Die Umstände des SpaceX-Börsengangs kritisiert er in aller Deutlichkeit: „Da hat man für SpaceX die Regeln geändert. Das halte ich für ein großes Problem.“
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Was der Fondsmanager meint, ist Folgendes: Elon Musk zuliebe hatte die Technologiebörse Nasdaq im Vorfeld des Börsengangs ihre Regeln angepasst. Während es bislang bis zu ein Jahr dauerte, ehe eine neue Aktie in den wichtigen Nasdaq-100-Index aufgenommen wurde, ist die Aufnahme jetzt schon nach 15 Handelstagen möglich. Auch bei der Höhe des Streubesitzes kam die Nasdaq dem Unternehmen entgegen: Da Musk nur einen vergleichsweise geringen Teil der SpaceX-Aktien frei an der Börse handeln lässt, hätte auch das normalerweise einen schnellen Aufstieg in den Index verhindert.
Die Folgen sind drastisch. Viele Indexfonds müssen Gelder umschichten, wenn SpaceX dann voraussichtlich bereits Mitte Juli in den Nasdaq 100 aufgenommen wird. Das erzeugt eine Art künstliche Nachfrage nach der Aktie, die den Kurs in weitere Höhen treiben könnte. Van-Eck-Europachef Rozemuller nimmt das Wort der „Indexmanipulation“ zwar nicht in den Mund, das jetzt häufiger in Finanzkreisen die Runde macht. Aber er sagt, wozu die Änderungen führen könnten: „Einige Indexanbieter könnten ihre Regeln ändern oder bestehende Kriterien flexibler auslegen, um auf besondere Marktentwicklungen oder Unternehmensereignisse zu reagieren.“
Das ist aus seiner Sicht nicht im Interesse der Anleger. Es müsse so wenig nachträgliche Änderungen in einem Index geben wie möglich.
