
Als der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vor drei Jahren zur jährlichen Wirtschaftspressekonferenz lud, waren die Zeiten für die Buchbranche schon schwierig, aber es keimte damals auch ein Funken Hoffnung heran: „Es wachsen richtige Buchfans nach“, sagte die damalige Vorsteherin des Börsenvereins, Karin Schmidt-Friderichs, mit Blick auf jüngere Buchkäufer, die sich auf Tiktok gegenseitig mit Buchtipps befeuerten und insbesondere dem jungen Genre „New Adult“ hohe Wachstumsraten bescherten. Auch im vergangenen Jahr sind die Umsätze in den Genres Young Adult und New Adult weiter gestiegen. Dennoch scheint ein Teil des damals herrschenden Optimismus verflogen. „Die Lesekrise hat nun auch den Buchmarkt erreicht“, heißt es in der jüngsten Meldung des Börsenvereins. Vor allem sehr junge Menschen kaufen deutlich weniger Bücher: In der Altersgruppe zwischen zehn und 15 Jahren ging die Zahl derjenigen, die im vergangenen Jahr mindestens ein Buch gekauft haben, im Vergleich zum Vorjahr um über 30 Prozent zurück.
Der neue Vorsteher des Börsenvereins, Sebastian Guggolz, macht dafür auch „jahrzehntelange Versäumnisse in der Bildungspolitik“ verantwortlich. Die Lesekompetenz habe sich seit Jahren verschlechtert. Die jüngsten Zahlen aus dem Buchhandel müssten auch ein „Weckruf an die Politik“ sein, es brauche schnell konsequente Maßnahmen, um die Lesekompetenz junger Menschen zu verbessern. Laut Börsenverein verlässt jedes vierte Kind die Grundschule, ohne richtig lesen zu können.
Jährlich gehen rund eine Million Buchkäufer verloren
Die Zahl der Buchkäufer ist aber auch in anderen Altersgruppen gesunken: unter den jungen Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren um knapp 18 Prozent, unter den älteren im Alter zwischen 50 und 59 Jahren um rund acht Prozent. Den größten Zuwachs dagegen gab es mit knapp acht Prozent bei den Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren. Über alle Altersgruppen hinweg sank die Zahl der Buchkäufer insgesamt um knapp fünf Prozent. Damit hat sich im vergangenen Jahr ein Trend beschleunigt, der allerdings schon lange andauert. Über die vergangenen fünf Jahre betrachtet hat der Buchmarkt im Mittel rund eine Million Buchkäufer im Jahr verloren. Von den rund 75,5 Millionen Einwohnern in Deutschland, die älter als zehn Jahre sind, haben im vergangenen Jahr noch 25,9 Millionen mindestens ein Buch gekauft, im Jahr 2020 waren es noch 30,6 Millionen.
Das macht sich auch in den Umsätzen der Branche bemerkbar. Im Jahr 2025 erwirtschaftete sie einen Gesamtumsatz von 9,62 Milliarden Euro, das waren 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr. „Zusätzlich zur eklatant rückläufigen Lesekompetenz sorgen die schwache Konjunktur und hohe Verbraucherunsicherheit auf dem Buchmarkt für Umsatzrückgänge“, sagte Peter Kraus vom Cleff, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. Vor allem Buchhändler vor Ort mussten Einbußen hinnehmen, das Onlinegeschäft blieb dagegen stabil.
Blickt man auf die verschiedenen Warengruppen, sind im vergangenen Jahr lediglich die Umsätze in der Belletristik noch leicht gestiegen – vor allem dank Zuwächsen mit Young-Adult- und New-Adult-Titeln. Stark zurück ging dagegen das Geschäft mit Reisebüchern (minus zwölf Prozent), Ratgebern (minus acht Prozent) und Sachbüchern (minus fünf Prozent).
Verlage bringen weniger neue Titel auf den Markt
Die Schwierigkeiten auf dem Buchmarkt zeigen sich nicht nur im Buchhandel, auch die Verlage reagieren und planen immer vorsichtiger. Sie bringen weniger neue Bücher auf den Markt. Im Jahr 2020 sind noch knapp 70.000 neue Titel in deutscher Sprache erschienen, vor fünf Jahren waren es nur noch 53.000. Allein im vergangenen Jahr sank die Zahl der Novitäten um fast zehn Prozent.
Viele Verlage setzen auf altbewährte Bestseller. In den vergangenen zehn Jahren ist für die Buchverlage die sogenannte „Backlist“ immer wichtiger geworden, also das Sortiment von Büchern, deren Erstauflage schon ein Jahr oder länger zurückliegt. Auch der Lizenzverkauf von Buchrechten läuft spürbar gedämpft. Im vergangenen Jahr verkauften deutsche Verlage nur noch 6137 Buchrechte ins Ausland, acht Prozent weniger als im Vorjahr. Die wichtigsten Abnehmer waren China, Russland und Spanien – vor allem geht es dabei um Kinder- und Jugendliteratur.
Ein kleiner Lichtblick sind weiterhin die Hörbücher, die vor allem während der Corona-Pandemie einen großen Sprung gemacht haben. Seither ist das Wachstum zwar abgeflacht, aber im vergangenen Jahr wuchs die Zahl der Hörbuchkäufer immerhin noch um fast vier Prozent. Der Verkauf von physischen Hörbüchern auf CDs spielt dabei nur noch eine untergeordnete Rolle, der Umsatz wird mittlerweile über Downloads und Streaming erwirtschaftet.
