
Das Wort Denkmal löst bei Menschen ganz unterschiedliche Reaktionen aus. Die einen haben schöne Schlösser und Altstädte vor Augen, mit engen Gässchen und Fachwerkhäusern. Andere denken an Auflagen und unangenehme Geschichten mit dem Denkmalamt. Besonders unter Hausbesitzern und Investoren sei die zweite Ansicht verbreitet. Das wurde bei einem Vortragsabend des Frankfurter Denkmalforums deutlich.
Susanne Haus möchte die skeptische Sicht auf den Denkmalschutz ändern und sagte: „Wir müssen das gute Gefühl, das wir im Urlaub beim Besuch in Altstädten haben, auch auf die Besitzer übertragen.“ Die Präsidentin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und Restauratorin im Malerhandwerk diskutierte mit Vertretern von Denkmalschutz, Architektur und Kommunalpolitik über das neue hessische Denkmalschutzgesetz und was sich für die Branche durch dieses ändert.
Das überarbeitete Gesetz, das von Januar 2027 an in Hessen gilt, soll die Entscheidungen der Denkmalbehörden beschleunigen und damit Bauprojekte vereinfachen. Der Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, Markus Harzenetter, bezweifelt allerdings, dass dies gelingen wird. Über die Absprache zwischen dem Landesamt und den bei Städten und Kreisen angesiedelten Unteren Denkmalschutzbehörden stehe bisher ein Halbsatz im Gesetz. Nun gebe es dazu einen eigenen Paragraphen, zu dem eine 20 Seiten lange Erläuterung verfasst werde. „Ich weiß nicht, wer das unter Bürokratieabbau versteht.“
Mit dem neuen Gesetz bekommen die Unteren Denkmalbehörden mehr Befugnisse. Sie müssen viele Entscheidungen nicht mehr gemeinsam mit dem Landesamt fällen. Harzenetter bemängelt, dass die Kommunen zu wenig Personal und Fachwissen hätten, um fundierte Entscheidungen zu treffen. „Die Ämter sind unterschiedlich gut aufgestellt“, sagte Haus, die auf Baustellen mit den Unteren Denkmalbehörden zusammenarbeitet. Personal, das sich Zeit nehme und Denkmalschutzmaßnahmen erkläre, sei aber sehr wichtig. „Wenn keine Kompetenz da ist oder Willkür herrscht, dann sinkt die Akzeptanz.“
Werben und erklären
Der Architekt Kristian Kaffenberger, der sich auf denkmalgeschützte Gebäude spezialisiert hat, sieht dabei auch seine Zunft in der Pflicht: „Ich muss mir die Zeit nehmen, den Auftraggebern den Wert des Denkmalschutzes zu vermitteln.“ So könnten auch Bauherren vom Denkmalschutz überzeugt werden, die zuvor skeptisch waren. Der denkmalgeschützte Teil eines Bauprojekts sei häufig das Aushängeschild des fertigen Gebäudes.
Diesen Weg möchte auch Marcus Gwechenberger gehen. Der SPD-Politiker ist im Frankfurter Magistrat für das Dezernat Planen und Wohnen zuständig, zu dem auch das Denkmalamt gehört. „Die Zahlen-Debatte ist groß. Die Qualitäts-Debatte kommt zu kurz“, befand er. Er begrüße es, wenn der Gesetzgeber vereinfache. Wenn denkmalgeschützter Bestand aber nur als Hindernis für standardisiertes Bauen gesehen werde, sei das falsch.
Er forderte dazu auf, das „Narrativ“ zu „drehen“ und positive Beispiele besser zu bewerben. Alle vier Diskutanten waren sich einig, dass es zahlreiche Beispiele gebe, wie der Denkmalschutz ein Bauprojekt bereichere.
