Herr Tselios, Sie sind Inhaber des Restaurants Delphi in Meppen. Deniz Undav spielte von 2018 bis 2020 beim Drittligaverein der Stadt. Es heißt, er war oft bei Ihnen zu Gast. Erinnern Sie sich noch an ihn?
Wir erinnern uns hier alle gern an unseren Deniz. Er war einfach ein toller Typ, so total ausgelassen und lustig. Immer zu haben für einen Witz am Rande und ein paar kleine Sticheleien. Während der Saison kamen er und seine Mannschaft dreimal die Woche hier vorbei, manchmal auch öfter. Beim SV Meppen war Deniz der absolute Scorer.

Haben Sie damals schon geahnt, dass er einmal in der Nationalmannschaft landen könnte?
So weit ging meine Vorhersage jetzt nicht. Aber jeder hier konnte sehen, dass Deniz höherklassig spielen konnte. Der Junge war einfach clever. Er hat damals für uns ja nicht nur viele Tore geschossen, sondern auch vorbereitet. Der stand einfach immer richtig. Das war unser kleines, dickes Müllerchen.
Also ein echter „Bomber“.
Zur damaligen Zeit hat Deniz sicher nicht oft Nein gesagt. Er hat jedenfalls immer gut und gerne gegessen. Aber als er hier gespielt hat, war er ja noch nicht verheiratet. Dazu viel Training, die Stadt war für ihn neu. Und natürlich mochte er das gute Essen bei uns.
Bei der Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA hat er jetzt nur 56 Minuten für drei Tore gebraucht. War er mit der Gyrosplatte ebenso flott?
Mit der Gyrosplatte war bei Deniz eigentlich nichts zu holen. Für ihn gab es immer nur die „868“.
Das war quasi „sein“ Gericht. Nudeln mit Hähnchenbrustfilet in einer Curry-Sahne-Soße. Dazu hat er immer extra unsere scharfe Soße bestellt. Die ist natürlich hausgemacht. Mit Tomaten, Chili und Gewürzen. Für ihn war sie aber manchmal trotzdem noch nicht scharf genug – obwohl wir für ihn immer noch mehr Chilis reingepresst haben. Wenn heute die Spieler vom SV Meppen vorbeikommen, nennen sie die „868“ nur noch die „Deniz-Nudeln“.

Aber auf der Speisekarte sind die „Deniz-Nudeln“ gar nicht zu finden …
Das liegt daran, dass die Speisekarte nur für unsere SV-Meppen-Jungs und Frauenmannschaft ist. Es gibt eine besondere Karte, die kriegen nur die Fußballer, wenn sie zu uns kommen. Da sind auch spezielle Gerichte darauf: mit viel Gemüse, mit Reis, mit Hähnchen. Alles ist ein bisschen anders, ein bisschen gesünder.
Sportlich lief es für Deniz Undav beim SV Meppen im ersten Jahr allerdings nicht so gut, dafür im zweiten umso besser. Kam er da öfter oder seltener bei Ihnen zum Essen vorbei?
Natürlich öfter. Wir hatten uns auch persönlich ein bisschen besser kennengelernt. Und dann kam er richtig in die Spur. Deniz hat in seinem zweiten Jahr damals 17 Tore und neun Assists gemacht, glaube ich. Mindestens. Für unsere dritte Liga war er ein Held. Er hat mir letztes Jahr zu Weihnachten sein VfB-Stuttgart-Trikot geschenkt, da steht drauf: „Für 868“. So hat er unterschrieben. Das habe ich bei mir im Eingang des Lokals eingerahmt. Ein Ehrenplatz. Viele Gäste, die jetzt kommen, stellen sich dorthin und machen Fotos mit dem Trikot.
Florian Wirtz hat in einem DFB-Video zur EM 2024 „Kartoffeln auf die Eins“ gewählt, das ging damals viral. Wenn sich Deniz Undav nun für eine Zutat zur WM 2026 entscheiden müsste, welche glauben Sie, wäre das?
Scharfe Soße. Und Zaziki! Und davon immer ordentlich was drauf.
Wann war er denn das letzte Mal bei Ihnen zu Besuch?
Das war noch, bevor er zu Royale Union Saint-Gilloise in die zweite belgische Liga gewechselt ist. Das ist also schon mehr als vier Jahre her. Damals war er sich nicht sicher: Gehe ich jetzt dahin in die zweite Liga oder gehe ich nicht hin. Da habe ich ihm gesagt: Deniz, einfach machen. Zu Meppen kannst du immer noch zurück.
Haben Sie Deniz Undav schon etwas versprochen, falls er Deutschland zur Weltmeisterschaft schießt?
Noch hatte ich nicht die Chance, mit ihm zu sprechen. Aber ich würde ihm alles Mögliche versprechen, selbst, dass ich ihm die schärfste Soße mache, die er je gekriegt hat. Die würde ich ihm sogar nach Stuttgart bringen. Ich weiß auch nicht, ob Sie das so in dieses Interview reinschreiben können: Aber Deniz, zu jeder Zeit, wenn du in der Nähe sein solltest: Die „868“ ist immer hier und wartet auf dich.
Und wie sähe es dann für die anderen Gäste mit der „868“ aus?
Wenn Deutschland Weltmeister wird, machen wir sogar noch das.
