
Inmitten des Trubels des Frankfurter Museumsuferfests haben sich am Sonntagnachmittag auf dem Römerberg zwei Demonstrationszüge gegenübergestanden. Vor dem Römer versammelten sich nach Polizeiangaben 300 Demonstranten unter dem Motto: „Wir sagen Nein zu jeder Form von Antisemitismus“. Die Organisatoren wollten damit auf eine Kundgebung unter dem Motto „Palästina darf sich wehren, auch mit Steinen und Gewehren“ reagieren, die am 18. Juli stattgefunden hatte. „Unter dem Deckmantel der Versammlungs- und Meinungsfreiheit wird zu Gewalt aufgerufen. Und es fehlt der Mut und der Wille dagegen vorzugehen“, sagte Simone Hofmann, Mitorganisatorin der Versammlung.
Die frühere Frankfurter Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) sagte: „From the River to the Sea bedeutet nichts anderes als die Vernichtung Israels. Wer so etwas fordert, hat in unserer Stadt nichts verloren, auch nicht dort drüben.“
„Dort drüben“ meinte die Gegendemonstranten, die sich vor dem Historischen Museum versammelten. Deren Sprecher rief: „Zionismus ist Faschismus“ und behauptete, Israel wolle die palästinensische Geschichte auslöschen. Die Nationalsozialisten hätten auf dem Römerberg Bücher verbrannt, heute würden dies die Israelis in Gaza tun. Auch in Deutschland seien Bücher verboten, sagte der Sprecher, der sich damit auf das Verbot des Frankfurter Palästina-Vereins bezog, der die „Palastine Library“ betrieben hat. „Wir müssen Bücher vor der Stadt verstecken. Vor den Faschisten“, rief der Sprecher ins Megafon, bevor die laut Polizeiangaben etwa 35 Gegendemonstranten den Spruch „From the River to the Sea“ zu skandieren begannen.
Ein Moderator vom Jungen Forum der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft griff den Spruch auf: „Ja, es heißt „Free Palastine“ aber sie sprechen den Satz leider nicht ganz aus“, sagte er: „Free Palastine von der Hamas!“. Marc Grünbaum, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, sagt: „Wer sich unserem Motto nicht anschließen kann, wie die Demonstranten dort drüben, hat in Frankfurt nichts zu suchen.“ Es reiche aber nicht, nur „Nein gegen Antisemitismus“ zu sagen. Man müsse auch Ja sagen zu Demokratie und zum Rechtsstaat. In dem Zusammenhang forderte er ein AfD-Verbotsverfahren.
Mehrere Redner betonten, wie wichtig sie den Vorstoß der Hessischen Landesregierung im Bundesrat fänden. Diese will die Leugnung des Existenzrechtes Israels bundesweit unter Strafe stellen. Uwe Becker, Antisemitismusbeauftragter der Landesregierung in Wiesbaden, sagte mit Blick auf die Gegendemonstration: „Das ist nichts anderes als Auslöschungs-Propaganda gegen jüdisches Leben und Israel.“ Es brauche daher eine Änderung der Gesetze.
Trotz der gegenseitigen Anwürfe verliefen die Kundgebungen friedlich. Am Rande sei es einem Wortgefecht und anschließend zu einer Rangelei gekommen, so die Polizei. Ein Ordner und Passanten seien aneinandergeraten. Der Ordner gab an, er sei als „Hurensohn“ beschimpft und geschlagen worden.
