Das Ebolavirus verbreitet
sich weiter in der Demokratischen Republik Kongo. Das Gesundheitsministerium meldet dort inzwischen 671 Ebolaverdachtsfälle
und 160 vermutete Ebolatote. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon
aus, dass die tatsächliche Zahl der Infektionen deutlich höher liegt, weil
nicht alle Krankheitsfälle gemeldet werden. Im Labor wurden nach Angaben des kongolesischen
Gesundheitsministeriums bisher 61 Fälle bestätigt.
Im Nachbarland
Uganda meldeten die Behörden keine neuen Infektionen abseits der beiden bereits
bestätigten Fälle. Am Donnerstag gab es aber einen neuen bestätigten Ebolafall
in der von Rebellen kontrollierten Provinz Süd-Kivu, die mehrere Hundert Kilometer
vom bisherigen Epizentrum des Ausbruchs im Ostkongo entfernt liegt. Der neue
Fall zeigt, wie weit das Virus bereits um sich greift. Nach Einschätzung von WHO-Experten
grassiert
die Ebolaepidemie im Kongo unentdeckt bereits seit einigen Monaten.
In einem Behandlungszentrum
im Osten der DR Kongo kam es am Donnerstag zu Tumulten wegen der Vorschriften zum
Umgang mit Ebolatoten. Angehörige eines verstorbenen Mannes brannten aus
Protest zwei Klinikzelte in Rwampara in der Provinz Ituri nieder. Sie hatten
die Leiche des Ebolatoten abholen wollen, um diese selbst zu begraben. Ärzte
verweigerten das und verwiesen auf strenge Regeln zur Bestattung, um die
Ansteckungsgefahr für Angehörige und Bestatter zu verringern.
Aufgebrachte
Menschen hätten daraufhin Steine geworfen und Feuer gelegt, sagte der
zuständige Anführer der Volksgruppe Bahema, Batangura Zamundu, der Nachrichtenagentur
dpa. Ein Mediziner bestätigte den Vorfall. Das Infektionsrisiko ist sehr hoch,
zumal in der Region das Waschen und Berühren von Toten üblich ist.
Infizierter US-Arzt in Berliner Charité
Seit Mittwoch
wird ein US-amerikanischer
Arzt in der Berliner Charité behandelt, der sich im Kongo mit Ebola
infiziert hatte. Seine Ehefrau und vier Kinder befinden sich nach Angaben des
Bundesgesundheitsministeriums ebenfalls in der Sonderisolierstation des
Universitätsklinikums.
Ein weiterer US-Amerikaner
wird in der tschechischen Hauptstadt Prag behandelt; er war in Uganda mit einem
Ebolapatienten in Kontakt gekommen. Wie das Universitätsklinikum Bulovka mitteilte,
wird der Patient auf der Isolierstation für die für Ebola typische
Inkubationszeit von bis zu drei Wochen beobachtet. Der Mann zeige keine
Symptome, hieß es. Für die Öffentlichkeit und den normalen Betrieb des
Krankenhauses bestehe kein Risiko.
Gegen diese Ebolavariante fehlt ein Impfstoff
Experten halten es für keinen Zufall, dass Ebola erneut in der DR Kongo ausgebrochen ist. Das Land ist von Konflikten zerrüttet und verarmt. Hilfsorganisationen berichten von überfüllten Kliniken und fehlender Schutzausrüstung. Die bislang verheerendste Ebolaepidemie ereignete sich dort zwischen 2018 und 2020. Damals starben fast 2.300 der insgesamt rund
3.500 Erkrankten. Auch jetzt fühlen sich viele Menschen von ihrer
Regierung im Stich gelassen.
Für die Bundibugyo-Variante des Virus gibt es bislang weder einen Impfstoff noch eine
Therapie. Laut WHO gibt es zwei potenzielle Impfstoffe. In einem Fall
dauere es aber sicher sechs bis neun Monate, bis Impfdosen zur Verfügung
stünden, sagte ein WHO-Spezialist. Im anderen Fall könnten
Dosen in zwei bis drei Monaten hergestellt werden, es fehle aber noch an Daten aus Tierversuchen.
