
Eine Bilanz wird nach den Grundsätzen der Vollständigkeit, Wahrheit und Klarheit aufgestellt. Auch eine Bilanzpressekonferenz sollte sich diesen Werten verbunden fühlen. Richtig ist: Vor einem Jahr hat kein Journalist danach gefragt, ob die Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka eine Steuernachzahlung von 500 Millionen Euro wegen geänderter Steuerbescheide im Zusammenhang mit Cum-Cum-Geschäften geleistet hat. Aber hätte der Vorstand das nicht von sich aus sagen sollen, ja müssen, wenn er sich der Vollständigkeit, Wahrheit und Klarheit verpflichtet fühlt? Schließlich handelt es sich um einen halben Jahresgewinn.
Verkaufen statt beraten
Nun sieht man sich im Leben ja bekanntlich meistens zweimal. Und so nutzten die Journalisten, die sich im Vorjahr nicht transparent informiert fühlten, in diesem Jahr die Bilanzpressekonferenz der Deka zum Nachfragen. Wieder blieb die Fondsgesellschaft der Sparkassen einige Informationen, etwa zur Gewinnbelastung durch Cum-Cum, schuldig. Auch die Frage, wie nützlich die Zertifikate des Hauses für die Anleger waren, kann man transparenter beantworten als mit dem schlichten Satz, man stelle nur das Produkt zur Verfügung und die Kunden wüssten schon, was sie kauften. Jeder, der schon einmal in einer Sparkasse war, weiß, dass er dort vom Wertpapierberater oft mehr etwas verkauft bekommt, als dass er dazu beraten wird.
Das Erstaunlichste an dieser Heimlichtuerei ist, dass die Deka das gar nicht nötig hat. Die Sparkassen verkaufen so viele Fonds und Zertifikate wie noch nie, offensichtlich sind sie mit der Produktqualität und den Vertriebsprovisionen sehr zufrieden. Die Rentabilität, sprich die Gewinne der Deka, ist hoch, die Dividendenausschüttungen sprudeln. Es wäre sehr gut möglich, auch mit etwas unbequemeren Themen souveräner, transparenter und offener umzugehen.
