Ruhig tritt er ans Rednerpult und sortiert seine Notizzettel. Dann hebt Malte Matthes den Kopf und schaut ins Parlament, wo Regierung und Opposition sitzen. Er bereitet sich darauf vor, während seiner Rede gleich scharf kritisiert zu werden. Malte weiß: Ich muss mich jetzt konzentrieren, nur so kann ich meine Position verständlich erklären. Er beginnt: »Wir als Regierung glauben …«
Was sich wie eine Szene aus dem Bundestag anhört, findet in einem schmucklosen Seminarraum der Uni Potsdam statt. Malte, 25, studiert im Master Politikwissenschaft und ist Präsident des Debattierclubs Wort‑ gefechte. Jeden Montagabend trifft er sich mit einem Dutzend Streitlustiger. Sie studieren Physik, Bio, Lehramt oder VWL, diskutieren über Doping, Unternehmensspenden oder Waffenlieferungen an die Ukraine. Heute Abend soll es um eine Steuer auf Fleisch gehen.
