
Wenn die Italiener kommen – wird dann alles besser für die leidgeprüfte Zugkundschaft hierzulande? Nach einer Katastrophenwoche für die Deutsche Bahn, unter anderem mit einem Komplettausfall des gesamten Schienenverkehrs, ist man geneigt zu sagen: Natürlich, es kann nur besser werden. Noch dazu, wenn ein Anbieter wie Italo – wie angekündigt – einige Milliarden mitbringen will nach Deutschland, um als Konkurrent im Fernverkehr sich als die bessere deutsche Bahn zu präsentieren.
Nun öffnet die Bundesnetzagentur dem Angreifer aus Rom die Tür mehr als nur einen Spaltbreit. Mit einem Maßnahmenpaket, das noch unter Vorbehalten steht, aber letztlich so umgesetzt werden dürfte, kommt sie Italo und seinen Forderungen weit entgegen. Italo fährt künftig mit einiger Wahrscheinlichkeit seine eigenen Züge in Deutschland. Und die Dominanz des Platzhirschs Deutsche Bahn im Fernverkehr – hier liegt der Marktanteil je nach Schätzung zwischen 93 und 96 Prozent – bröckelt ein weiteres Mal, nachdem schon Flixtrain beständig und nachhaltig daran rüttelt.
Den Drohungen der Deutschen Bahn widerstanden
Wie aber fällt das Fazit für die Passagiere aus, was haben sie letztlich davon? Das wird man erst sagen können, wenn die Italiener tatsächlich gestartet sind. 2028 wollen sie mit Gleis-Rennstrecken und Verbindungen zwischen München, Berlin und dem Ruhrgebiet loslegen. Sie versprechen nagelneue Züge aus dem Hause Siemens, drei Zugklassen und besseren Service. Das klingt toll. Gleichzeitig weiß jeder Zugfahrer hierzulande, dass auch Italo auf einem noch über Jahre desolaten Schienennetz keine schnellen Wunder vollbringen kann.
Aber kein Zweifel: Wettbewerb wirkt. Das demonstrierte schon Flixtrain mit seinem Markteintritt im Fernverkehr. Schon auf den vergleichsweise kleinen Wettbewerber mit seinem gegenüber dem ICE zwar qualitativ schlechteren Angebot, dafür aber niedrigeren Preisen, reagierte die DB immer wieder mit Tarifsonderangeboten.
Nur gut, dass sich die Bundesnetzagentur nicht von einer Angstoffensive der DB hat leiten lassen – nach dem Motto: Kommt Italo und pickt sich die Rosinen unter den Verbindungen raus, werden das Angebot auf der Schiene schlechter und ganze Regionen abgehängt. Der Regulierer hat vielmehr ein kluges Paket auf den Weg gebracht. Es bietet zumindest die Chance, dass alle Bahnkunden am Ende etwas davon haben.
