
Es gibt Zeiten an der Börse, in denen nur politische Themen zählen: geopolitische, währungspolitische oder regulierungspolitische. Doch an dieser Stelle ist es aktuell vergleichsweise ruhig. Ein großer und wachsender Anteil der Marktteilnehmer rechnet damit, dass die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve im September die Zinsen unverändert lässt. Sie werden in dieser Ansicht bestärkt, weil stabile Erzeugerpreise auch darauf hindeuten, dass sich die Inflation nicht verschärfen dürfte. Von dieser Seite gibt es also keine Impulse für den Markt.
Und auch das ökonomisch dominierende geopolitische Thema harrt weiter einer Lösung. Eine Einigung, wie das iranische Regime den Kriegsgegner Vereinigte Staaten und andere langfristig die Meerenge von Hormus nutzen lässt, gibt es bislang nicht. Käme diese, dürfte auch dies marktweit starke Auswirkungen auf die Kurse haben – besonders für diejenigen Titel, die stark in internationale Handelsnetze eingebunden und auf Öllieferungen aus dem Nahen Osten angewiesen sind.
Dennoch war die vergangene Woche nicht nachrichtenarm, denn Unternehmen haben reihenweise Quartalsberichte vorgelegt. Und von RWE bis Douglas, von Thyssenkrupp bis Gea haben sie überwiegend solche Zahlenwerke vorgelegt, die Investoren überzeugt haben. Im Ergebnis bleibt der Aktienindex Dax in Wartestellung, den in der vergangenen Woche erreichten Rekordwert wieder zu erreichen.
Das mag angesichts der noch immer schwierigen Lage der deutschen Wirtschaft ein bisschen überraschen. Aber die sehr optimistische Stimmung ist in anderen Ländern sogar noch weiter verbreitet. Andere Börsenbarometer wie die in den USA haben sogar noch bessere Entwicklungen hinter sich.
Manchmal geraten durch aktuelle Nachrichten auch Unternehmen in den Fokus, die sich ansonsten eher in der Nische befinden. Der Schuhhersteller Birkenstock zum Beispiel fiel durch einen Kursanstieg um 12 Prozent auf, nachdem er Details einer starken Nachfrage bekannt gegeben hatte. Daraufhin trennte sich am Donnerstagabend der Mehrheitseigner L Catterton von einem Aktienpaket im Wert von einer Milliarde Euro.
Das hatte der aus Frankreich gesteuerte Finanzinvestor seit dem Börsengang vor drei Jahren jeweils im Sommer zu günstigen Zeitpunkten immer wieder einmal gemacht. Birkenstock ist vom eigenen Geschäftserfolg weiterhin überzeugt und will etwa die Hälfte der Aktien selbst erwerben. Durch den Verkauf sinkt der Anteil von L Catterton von zuletzt 54 auf etwa 40 Prozent. Dabei kommt es aufs Timing an, denn nach dem Kursanstieg auf fast 60 Euro Anfang 2025 war die Kurve tendenziell negativ. Mit einem Kurs von zuletzt rund 35 Euro kam der Titel über die bisherige Börsenhistorie auf ein Kursminus von sechs Prozent.
Der Industriekonzern Thyssenkrupp überraschte die Anleger mit seinem Quartalsergebnis und erlebte einen Kursanstieg um gut ein Zehntel. Analysten vermerkten, dass er die Untergrenze seiner Ergebnisprognose angehoben hatte. Damit setzt sich der Aufschwung seit Anfang vergangenen Jahres weiter fort. Auf Jahressicht hat sich der Aktienkurs von Thyssenkrupp inzwischen mehr als verdoppelt.
Auch der Energiekonzern RWE fiel positiv auf. Nachdem er darüber berichtet hatte, sein Investitionsbudget durch positive Ergebnisse noch einmal ausweiten zu können, stieg der Kurs leicht. Auf Jahressicht hat sich das Papier inzwischen um fast drei Viertel verteuert. Inzwischen notiert der Titel sogar höher als in den Zeiten vor der verschärften Energiewende in den Zehnerjahren.
Analysten ist positiv aufgefallen, dass RWE im Geschäft mit Rechenzentren gut vorankommt. Für zwei Grundstücke neuer Zentren stehe eine Einigung kurz bevor. Zehn Standorte seien in Vorbereitung. Dieses Geschäft ist durch den Bedarf an Rechenkapazitäten aussichtsreich, und auf die Bewertungen des Unternehmens wirkt sich das positiv aus.
Mit Blick auf die kommende Woche wird der chinesische Modehändler Shein interessant. Gemäß den Plänen seiner Führung könnte Mitte der Woche der lang geplante Börsengang anstehen. Die Nachrichtenagentur Reuters hat Investoren befragt, für wie gut aufgestellt sie Shein halten. Die Bewertungen fielen für manche vielleicht überraschend nicht allzu positiv aus. Das Unternehmen erwartet eine Bewertung von 30 bis 40 Milliarden Dollar. Das Umsatzwachstum aber hat sich seit zwei Jahren von 40 Prozent zunächst halbiert und könnte in diesem Jahr in den niedrigen einstelligen Zahlenbereich fallen. Die Zahl der verkauften Produkte je Kunde stagniert, die regulatorischen Hürden in den Vereinigten Staaten und in Europa bremsen den freien Warenverkehr des umstrittenen Billiganbieters.
Dennoch überwiegen überall auf der Welt die positiven Konzernergebnisse. Sie haben auch in den vergangenen Tagen den Anlegern Mut gemacht.
