
Der deutsche Mittelstand findet aus der wirtschaftlichen Flaute nicht heraus. Im Mai fiel der Umsatz in der saison- und kalenderbereinigten Rechnung um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Dies zeigt der Datev-Mittelstandsindex, den die F.A.Z. exklusiv veröffentlicht. Damit ist die leichte Aufwärtsbewegung, die sich seit Jahresbeginn entwickelt hatte, dahin. Im März hatte der Index ein Niveau wie zuletzt am Jahresbeginn 2024 erreicht. „Die inzwischen drei Jahre andauernde Umsatzschwäche im Mittelstand setzt sich fort“, kommentierte Robert Mayr, der Vorstandsvorsitzende der Datev-Genossenschaft. Viele Branchen hätten weiterhin stark mit strukturellem und konjunkturellem Gegenwind zu kämpfen.
Im Handel ging der Umsatz gegenüber dem Vorjahresmonat zuletzt um 6,5 Prozent zurück, im Baugewerbe um 5,8 Prozent und im verarbeitenden Gewerbe um 4,2 Prozent. Die Lage in diesen wichtigen Wirtschaftsbereichen hat sich in den vergangenen drei Monaten im Trend deutlich verschlechtert. Allein das Gastgewerbe wies im Mai mit zwei Prozent ein Plus aus. Dazu mag beigetragen haben, dass der Mai im Vergleich zu dem vor einem Jahr einen Feiertag mehr hatte, was tendenziell den Handel belastet und das Gastgewerbe stärkt. Solche Sondereffekte können durch die Kalenderbereinigung nur zum Teil herausgefiltert werden.
Die andauernde Wirtschaftsschwäche der kleinen und mittelgroßen Unternehmen trägt dazu bei, dass die Beschäftigungsentwicklung seit dem Jahr 2023 faktisch stagniert und im Trend leicht abnimmt. Im Mai sank die Beschäftigung abermals um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Besonders stark zu Buche schlugen dabei das verarbeitende Gewerbe, das Gastgewerbe und das Baugewerbe.
Allein Kleinstunternehmen bis zehn Beschäftigte weisen seit einigen Monaten leichte Zuwächse in der Beschäftigung auf. Ein Grund dafür ist nach Analyse der Datev-Volkswirte, dass mit der schlechten Beschäftigungsentwicklung der größeren mittelständischen Unternehmen die Kleinstunternehmen verstärkt Zugriff auf Arbeitnehmer haben, die ihnen zuvor nicht zur Verfügung standen.
Weiterhin belasten Lohnkosten, die nominal weit schneller steigen als der Umsatz, den Mittelstand. Im Mai stiegen die Löhne gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,4 Prozent und damit ein wenig moderater als zuvor. Am meisten legten die Löhne – auch als Folge der Mindestlohnerhöhung im Januar – im Gastgewerbe zu, um 7,3 Prozent.
Datev, der IT-Dienstleister für die steuerberatenden Berufe, hat für den Mittelstandsindex Zugriff auf die Umsatzsteuervoranmeldungen von mehr als einer Million Unternehmen und auf die Lohn- und Gehaltsabrechnungen von mehr als acht Millionen Arbeitnehmern. Die Daten werden anonymisiert und aggregiert zum Mittelstandsindex verdichtet, der früher als die amtliche Statistik Hinweise auf die konjunkturelle Entwicklung im deutschen Mittelstand gibt.
