Apples neue Siri AI geht im Herbst an den Start. Was sie kann, zeigt der amerikanische Hersteller am Montag während der Eröffnung seiner alljährlichen Entwicklerkonferenz WWDC, Wordwide Developers Conference. Siri AI steht im Mittelpunkt der Keynote. Apple hatte vorab viel versprochen. Aber während der Show zeigt sich: die Neuerungen sind absehbar.
Aus der Sprachassistentin Siri wird ein Begleiter mit Künstlicher Intelligenz, der in der Lage sein soll, Zusammenhänge zu verstehen und mehrstufige Aufgaben zu bewältigen. Ferner arbeitet die neue Apple Intelligence nun über verschiedene Apps und Dienste hinweg, auch in Apps von Drittherstellern.
Siri AI kommt als eigenständige App
Siri AI kann zum Beispiel ein WM-Spiel der nächsten Tage heraussuchen, dazu passende Rezepte für die Watch Party heraussuchen und die Freunde einladen. Es gibt eine eigenständige Siri-AI-App für iOS, iPadOS, WatchOS und MacOS, wie man sie schon von den rivalisierenden KI-Systemen wie etwa ChatGPT kennt. Die neue App speichert die Historie vorheriger Anfragen, auf die man sich dann beziehen kann. Sie kennt Kontexte und Gewohnheiten, kann im Web suchen, Dokumente auswerten und zusammenfassen sowie Bilder und Texte erzeugen. Siri AI greift unter anderem auf Mails, Kalendereinträge Notizen, Nachrichten und die Fotomediathek zu. Die neue Assistentin hat also ähnliche Funktionen wie sie Android-Nutzer mit Google Gemini bereits kennen. Zusätzlich lassen sich alle Unterhaltungen auf allen Geräten via iCloud synchronisieren, und die Spracherkennung soll ebenfalls besser werden.

Siri AI lebt künftig in der „Dynamic Island“ am oberen Displayrand, also der dynamischen Fläche für Live-Aktivitäten nahe der Frontkamera. Eine Wischgeste von der Bildschirmmitte nach unten startet eine neue Funktion „Suchen oder Fragen“. Eine leuchtende Animation zeigt, dass eine Aufgabe bearbeitet wird. Ist die Antwort erstellt, klappt die Dynamic Island zu einer transparenten Fläche auf, die Bilder, Web-Informationen und Notizen zur Anfrage bündelt. Ein Wisch auf dieser Fläche öffnet einen Gesprächsmodus im Stil eines iMessage-Chats. Oder man wechselt in die Siri-AI-App. Über „Suchen und Fragen“ kann man Apps starten, Nachrichten verfassen, nach dem Wetter fragen, Kalendereinträge hinzufügen, Notizen durchsehen oder mithilfe von KI im Internet suchen. Während der vorab aufgezeichneten Vorführung arbeitete Siri AI noch eher langsam.
Wie es um den Datenschutz steht
Apple stellt heraus, dass die KI-Verarbeitung in erster Linie mit klarem Datenschutz auf den Geräten selbst erfolge und nur bei höheren Anforderungen auf externe Server, Private Cloud Compute (PCC), zurückgegriffen werde.

Siri AI wird multimodal, kontextuell und „agentisch“. Sie versteht, was auf dem Bildschirm zu sehen ist, sie greift auf persönliche Daten zu und führt mehrstufige Aktionen aus, sie handelt aktiv und bucht beispielsweise für einen Wochenendausflug die Flüge, das Hotel und die Restaurants. Das alles geschieht in Partnerschaft mit Google in der Private Cloud Compute.
Mit der längst überfälligen Renovierung von Siri will Apple systemweit Künstliche Intelligenz in seinen Betriebssystemen verankern. Zum Teil funktioniert das bereits, etwa mit den Schreibwerkzeugen oder den automatischen Zusammenfassungen von E-Mails und Push-Nachrichten. Aber im Vergleich mit anderen KI-Systemen war Apple bislang abgeschlagen. Auf der WWDC 2024 hatte das Unternehmen bereits eine stark verbesserte Siri angekündigt, aber bislang nicht geliefert. Erst mit Google klappt es jetzt. So gesehen ist die Konferenz dieses Jahres ein KI-Aufschlag mit der Einlösung zwei Jahre alter Versprechen.
Wie die Kamera von KI profitiert
Das neue Siri AI kommt mit den 27er-Versionen der Apple-Betriebssysteme zunächst als Beta-Version in Englisch, und es wird viele Detailverbesserungen mit Künstlicher Intelligenz geben. Beispielsweise in der Kamera-App mit Empfehlungen zur Optimierung von Fotos, der automatischen Entfernung oder dem Hinzufügen von Objekten aus den Bildern. Zudem lassen sich auch Objekte mit KI erkennen. Die Genmoji-App und Image Playground werden erweitert.
Kurzbefehle, die Mini-Programmiersprache, wird dahingehend vereinfacht, dass man solche Befehle künftig per Eingabekommando erstellen kann. Google hatte unlängst Ähnliches angekündigt. Die Kennworte-App kann automatisch, agentisch, kompromittierte Passworte durch neue ersetzen, und die Telefon-Abteilung sucht passend zum Anruf der Fluggesellschaft die Flugbuchungen heraus. Die Home-App kann Push-Nachrichten zusammenfassen, ebenso Inhalte von aufgezeichneten Videos der Überwachungskameras: Der Waschbär hat die Mango auf dem Terrassentisch gefressen.

Weitere Änderungen von iOS 27 und iPadOS 27 beziehen sich auf ungezählte kleine Details der Optik aller Apple-Betriebssysteme. Liquid Glass wird erwachsen und schneller, flüssiger, sagt Apple. Die Suchfunktion wird grundlegend überarbeitet. Der Kinderschutz erhält zahlreiche Neuerungen, damit Eltern besser kontrollieren, auf welche Inhalte ihre Kinder wie lange zugreifen dürfen. Die Möglichkeiten, Nutzungszeiten für Apps zu gewähren, werden differenzierter. Die Social-Media-Nutzung lässt sich einschränken.

Die Künstliche Intelligenz ist jedoch das zentrale Thema der Konferenz, und die Weiterentwicklung der Betriebssysteme wirft etliche Fragen auf. Microsoft hat seinen KI-Agenten namens Copilot sowohl in Windows 11 wie auch in die Microsoft-Bürosoftware so tief und präsent eingebunden, dass sich viele Nutzer durch seine Aufdringlichkeit gestört fühlen. Auch ist die gesellschaftliche Stimmung gegenüber Künstlicher Intelligenz in einigen Ländern durchwachsen. Viele Nutzer fordern einen Ausschalter für die KI, um alles unter eigener Kontrolle zu behalten. In der EU kommt Siri AI zunächst nicht, man bedanke sich bei der regulierungswütigen Kommission.
So funktioniert Private Cloud Compute
Apple betont immer wieder seine hohen Ansprüche an den Datenschutz. Private Cloud Compute soll dafür sorgen, dass persönliche Daten nicht einmal während der Verarbeitung für Apple zugänglich werden. PCC hat ein eigenes Betriebssystem. Im Unterschied zu anderen Servern gibt es keinen dauerhaften Speicher und weder einen privilegierten Zugang für Administratoren noch einen Zugang für Fernzugriffe. Jedwede Datenübertragung zwischen dem Endgerät eines Nutzers und der Apple-Cloud sei Ende zu Ende verschlüsselt. Die Server haben Secure Boot, das heißt, sie verifizieren beim Hochfahren ihr eigenes Betriebssystem und prüfen auf Modifikationen.

Weiterhin führen sie nur von Apple signierten Code aus. Nutzerdaten werden ausschließlich zur Erfüllung der Anfrage genutzt, nicht gespeichert und auch nicht für Trainingszwecke verwendet. Nach der Antwort werden sie kryptografisch gelöscht. Die gesamte Software ist öffentlich einsehbar und steht für Forscher zur Prüfung offen.
Ob dieselben Regeln auch dann gelten, wenn die KI-Anfrage auf Google-Infrastruktur läuft, bleibt eine offene Frage.
