Der erste Schlag von Tina Zapf-Rodríguez, Grünen-Politikerin und Frankfurter Dezernentin für Klima, Umwelt und Frauen, verfehlt sein Ziel. Das Ergebnis ist ein zertrümmerter Apfelweinkrug. Ihr zweiter Versuch mit dem Holzhammer aber trifft genau. Goldgelber Apfelwein fließt aus dem Fass, ein neuer unbeschädigter Bembel wird darunter gehalten. Ein Dutzend sogenannter Hoheiten, darunter mehrere Apfelweinköniginnen, aber auch die hessische Honigkönigin und das Epsteiner Burgfräulein, schwirrt aus, um das Stöffchen unter den Besuchern zu verteilen.
Mit dem Ritual ist am Freitagabend das Frankfurter Apfelweinfest eröffnet worden. Es ist die 14. Ausgabe der Veranstaltung auf dem Roßmarkt. Gefeiert wird in diesem Jahr auch ein Jubiläum: Seit 80 Jahren gibt es mittlerweile den Verband der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien. Dessen Vorsitzender Martin Heil hat das Fass Gratisapfelwein gespendet, gemeinsam mit der Klimadezernentin steht er bei der Festeröffnung auf der Bühne.
Ohne Bienen gibt es keinen Apfelwein
Es habe sich viel getan in den vergangenen Jahren. Die Begeisterung für den Apfelwein sei gewachsen, berichtet Heil. Für die Keltereien, in der Regel kleine Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern, sei diese Entwicklung „enorm wichtig“. Sie sichere deren Überleben. Die gestiegene Äppler-Euphorie lässt sich am Freitagabend aber auch an den unzähligen Motto-T-Shirts ablesen, die von den Festbesuchern getragen werden. „Äppelwoi Ultras“, „Bembelroller“ oder „Abgerippt“ stehen darauf. Der Apfelwein-Kult blüht.
Für die Frankfurter Klimadezernentin Tina Zapf-Rodríguez ist die Äppler-Kultur ein Dreiklang aus Genuss, Handwerk und Umweltschutz. Die Erhaltung der Streuobstwiesen nennt sie bei ihrer Rede auf der Festbühne eine zentrale Aufgabe. „Sie sind wichtig für die Artenvielfalt und für die Biodiversität“, sagt Zapf-Rodríguez. Dabei gelte das Motto „No bees, no Bembel“: Ohne die Bestäubung von Insekten wachsen keine Äpfel.

Über den kopfsteingepflasterten Platz in der Innenstadt verteilen sich Stände von elf regionalen Keltereien, an Biertischen sitzen Paare und Gruppen beisammen. Rund 100 unterschiedliche Äpplersorten lassen sich auf dem Fest probieren. Anstoßen könnte man aber auch mit einem „Mispel Royal“: Der Sommerdrink setzt sich aus Apfel-Secco, Calvados und Mispelfrucht zusammen. Verkauf wird außerdem ein „hessischer Döner“: Ins Brot kommen Hähnchen, Kraut und grüne Soße.
Bis zum 16. August läuft das Apfelweinfest, an den Abenden spielen Livebands auf der Bühne. Eine Neuheit sind in diesem Jahr besondere Apfelwein-Tastings: Sechs verschiedene Apfelweine werden gemeinsam mit Frankfurter Apfelweinkönigin Larissa Vogl und dem Apfelweinsommelier Michael Stöckl probiert. Die Tastings laufen vom 10. bis 13. August und beginnen jeweils um 17 Uhr. Die Teilnahme kostet zehn Euro, Treffpunkt ist an der Bühne, eine Anmeldung nicht nötig.
