In der Innenstadt von Darmstadt haben sich am Samstagmittag sogenannte Reichsbürger und eine mehrfache Zahl von Gegendemonstranten versammelt. Die Reichsbürger, deren Anhänger die Legitimität der Bundesrepublik und ihrer Rechtsordnung leugnen, halten bis zum Spätnachmittag auf dem Karolinenplatz ein „Treffen der Bundesstaaten“ mit Teilnehmern aus ganz Deutschland ab. Redner der Gegenkundgebung vor dem Landesmuseum wollen hingegen den Wert von Demokratie und Vielfalt hervorheben. Nach Angaben der Polizei sind etwa 200 Personen zu dem Treffen der Reichsbürger gekommen, während sich rund 800 Menschen der Gegendemonstration angeschlossen haben. Polizeiketten und Absperrungen trennen die beiden Gruppen voneinander.
Auf Plakaten der Reichsbürger steht zum Beispiel „Ewiger Bund – Deutsches Reich“ neben den Farben Schwarz, Weiß und Rot, der Flagge des 1871 gegründeten Kaiserreichs, die bis 1919 deutsche Nationalflagge blieb. Die Teilstaaten des Kaiserreichs, etwa die Königsreiche Preußen und Bayern sowie das Großherzogtum Hessen, sind ebenfalls zu sehen. Teilnehmer tragen Flaggen mit deren Farben und Wappen. Einige Frauen tragen Tracht, andere Besucher T-Shirts in den Farben Schwarz, Weiß und Rot.
„Wahrheit gegen Geschichtsrevisionismus“
Auf der Gegenkundgebung hat am Mittag eine Rednerin aus der Partei Die Linke zum Eintreten gegen Antisemitismus aufgerufen. Dem Geschichtsrevisionismus der Reichsbürger müsse Wahrheit und Erinnerung entgegengesetzt werden, so die Frau. Die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten an den Juden sei „Aufgabe für die Demokratie“. Anders als das historische Kaiserreich sei die Bundesrepublik von heute ein Staat mit freien Wahlen und Grundrechten – „und mit Menschen, die dafür sind, dass das so bleibt“.
Die Darmstädter Grünen-Stadtverordnete Eva Bredow-Cordier sagte in einem Redebeitrag, ihr bereite es besonders Sorgen, dass sich mehr und mehr junge Männer und Frauen der Szene der Reichsbürger anschlössen. Deren Weltbild sei von Paternalismus geprägt, Frauen würden auf die Rolle als Mutter beschränkt.

Gleichzeitig zu beiden Kundgebungen richtet die Stadt Darmstadt auf dem benachbarten Friedensplatz ein „Internationales Begegnungsfest“ aus, bei dem sich Vereine von Einwanderern vorstellen. Oberbürgermeister Hanno Benz (SPD) sagte am Vormittag, Darmstadt sei weltoffen und tolerant, mit dem Begegnungsfest werde dem Treffen der Reichsbürger ein friedliches und demokratisches Zusammensein entgegengesetzt. „Menschen, die von außerhalb kommen und die Staatsordnung nicht anerkennen, spielen in Darmstadt keine Rolle“, sagte der Oberbürgermeister mit Blick auf die aus der ganzen Bundesrepublik angereisten Reichsbürger.
