
Die Suche nach dem wegen mehrerer Sabotageattacken auf das Stromnetz dringend tatverdächtigen Daniel V. ist auch am Montag mit Hochdruck fortgesetzt worden. Nach Informationen der F.A.Z. steht V. nach Auswertung von Beweismaterial mittlerweile im Verdacht, noch weitere Attacken in der Nähe von Düsseldorf, am Niederrhein und an einer Anlage auf niederländischer Seite geplant zu haben.
Die Ermittler halten es für wahrscheinlich, dass V. schon seit Monaten in Deutschland unterwegs war, um mögliche Tatorte auszukundschaften und seine Anschläge penibel vorzubereiten. Am Montag lief ein größerer Einsatz der Polizei im Raum Remscheid-Wuppertal in der Nähe eines Umspannwerks. Laut Polizei war dort an einem Umspannwerk eine verdächtige Person mit Rucksack gemeldet worden. Ob es sich dabei um Daniel V. handele, sei unklar.
Der 48 Jahre alte Mann aus Gevelsberg im Ennepe-Ruhr-Kreis hatte sich vergangene Woche in zwei Bekennerschreiben an mehrere Medien (darunter auch die F.A.Z.) gerichtet. An mehreren Umspannwerken im sächsisch-brandenburgischen Braunkohlegebiet und im rheinischen Braunkohlerevier habe er mit selbst konstruierten Abschussvorrichtungen Drähte über Hochspannungsleitungen geschossen, hieß es darin. Zu seinem Motiv schrieb er: „Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen.“
Die Ermittler glaubten sich schon dicht auf der Spur
Während die Attacken in den meisten Fällen scheiterten oder keine größeren Auswirkungen nach sich zogen, gingen nach der Attacke auf ein Umspannwerk in Bergheim mehrere Blöcke von Kraftwerken im Rheinischen Revier zeitweilig vom Netz. Zu einem Stromausfall kam es aber dank der raschen Reaktion der zuständigen Ingenieure auch hier nicht.
Die Ermittler wähnten sich Ende vergangener Woche dicht auf der Spur von Daniel V., weil er in seinen beiden von Fachleuten als authentisch eingestuften Bekennerschreiben seinen Namen und seine Meldeanschrift angegeben hatte. Dort trafen ihn Spezialkräfte der Polizei am Freitag jedoch nicht an. Nach Angaben von Angehörigen soll V. schon länger nicht mehr in Gevelsberg gewesen sein und unter psychischen Problemen gelitten haben. Ebenfalls am Freitag fanden Ermittler dann in der Nähe des Braunkohletagebaus Hambach im Rheinischen Revier das Fahrzeug des mutmaßlichen Täters.
In dem verlassenen Lastwagen konnte die Spurensicherung nach Informationen der F.A.Z. am späten Freitagnachmittag zahlreiche Beweismittel wie Pyrotechnik und einen Notizblock mit Planungen für weitere Anschläge und mögliche Ziele sicherstellen. Aus den Aufzeichnungen soll sich ergeben, dass der Tatverdächtige unter anderem auch eine Anlage im niederländischen Doetinchem nahe der Grenze zu Deutschland als Anschlagsort in Betracht zog.
Der Verdächtige soll nicht Teil der Hambi-Szene gewesen sein
Die Vermutung, Daniel V. könnte sich dort aufhalten, bestätigte sich zunächst jedoch nicht. Auch soll es bisher keine Belege dafür geben, dass V. Teil der gewaltbereiten linksextremen Klimaschutzszene war. Bereits am Freitag äußerte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), es handle sich sehr wahrscheinlich um „Klimaterrorismus“ eines Einzeltäters.
