Am schönsten ist Europa dort, wo es aufhört. Ich habe das in einem Winter begriffen, in dem ich gar nicht nach Schönheit strebte. Um einen Roman abzuschließen, wollte ich raus aus Berlin. Ein Freund bot mir seine kleine Wohnung an der Südspitze Spaniens an. In den kalten Monaten sei dort nichts los. Nur Wind und Weite und an klaren Tagen ein Fernblick bis nach Afrika.
Vejer de la Frontera liegt auf einem Hügel über der spanischen Atlantikküste. Weiß getünchte Häuser, ockerfarbene Rundbögen, eine mittelalterliche Stadtmauer – das Nichts kam allzu anziehend daher. Zudem kostete das gezapfte Cruzcampo im nächsten Café schlanke 1,80 Euro. Schien die Sonne, und das tat sie ständig, genehmigten sich die Einheimischen diese Biere gern schon am Vormittag. Wer war ich, lokale Sitten anzuzweifeln? Schaffte ich es doch mal in meine Schreibkammer, wanderte mein Blick durch das blaue Fenster vor mir zum Horizont, über die Meerenge von Gibraltar zur Silhouette des marokkanischen Gebirgszugs Rif: Ich blickte auf eine Welt, die sich nicht zwischen Buchseiten zwingen lassen wollte. Ich musste sie mir anschauen.
