Die Verwandlung beginnt beim dritten Song. Seit zehn Minuten steht Benjamin Gedeon auf der Tanzfläche des Wiener »Loft«, in diesem Schwitzkasten von einem Club. Es ist kurz nach halb eins, der DJ spielt Freed from Desire, Eurodance aus den Neunzigern. Gedeon zieht die Mundwinkel hoch, er legt den Kopf in den Nacken und reckt den rechten Arm in die Luft, hinweg über die Köpfe. Der Zahnmedizinstudent Benjamin Gedeon wird gerade zu seiner Kunstfigur Cosmó – dem Menschen, der er immer sein wollte.
Gedeon ist 19 Jahre alt, Cosmó existiert erst seit einem halben Jahr. Ein Alter Ego, quasi aus der Not geboren. Im Dezember war das, da hatte er sich gerade für den österreichischen Vorentscheid des Eurovision Song Contest beworben, als Benjamin Gedeon. Aber irgendetwas fehlte, dieses gewisse Etwas, und vielleicht auch ein bisschen Mut. Schüchtern sei er, sagt Gedeon über sich selbst, zu schüchtern, um in Clubs richtig abzugehen. Cosmó hingegen könne »die Sau rauslassen«.
