
Das mit einer gewissen Spannung erwartete Treffen zwischen Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und dem Chef der Unicredit, Andrea Orcel, verpufft ohne greifbares Ergebnis. Allerdings war mehr kaum zu erwarten gewesen, da die Bundesregierung nicht die Verhandlungen zur Übernahme der Commerzbank durch die Italiener führen kann. Dafür sind die Organe des in Frankfurt sitzenden Instituts zuständig. Von daher dürfte es ein Abtasten gewesen sein, ein Lancieren von Erwartungen, ein letztlich unverbindlicher Austausch von Standpunkten. Wie stark Orcel auf die Vorstellungen der Bundesregierung eingegangen ist, blieb nach dem Gespräch offen. Das Wenige, was die beiden Beteiligten anschließend mitteilten, deutet nicht auf feste Zusagen des Managers hin.
Der Finanzminister sprach von einem konstruktiven Gespräch. „Für die Bundesregierung ist zentral, dass die Commerzbank weiterhin ihre wichtige Rolle für die Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Mittelstands erfüllen kann.“ Die Regierung habe die Interessen der mehr als 40.000 Mitarbeiter der Commerzbank im Blick und stehe in dieser unsicheren Zeit an ihrer Seite. „Wir erwarten, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt und ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortsetzt – sowohl in Deutschland als auch international.“ Die Bundesregierung werde weiterhin im Sinne des deutschen Mittelstands, des Finanzstandorts Frankfurt und der Beschäftigten handeln.
Dem ersten Gespräch sollen weitere folgen
Ähnlich freundlich-unverbindlich äußerte sich Orcel. Er zeigte sich dankbar für die Gelegenheit, die eigenen Prioritäten darlegen zu können und seine Perspektive und Prioritäten kennenzulernen. „Nun liegt es an beiden Seiten, dieses erste Gespräch zu reflektieren, damit wir einen Weg finden können, der den Interessen aller Stakeholder und Anteilseigner bestmöglich gerecht wird.“ Dem ersten guten Gespräch würden zeitnah weitere folgen.
Wie ergänzend aus dem Finanzministerium verlautete, hatte Klingbeil vor dem Treffen mehr oder weniger mit allen gesprochen, die im Ringen um die Commerzbank-Übernahme durch die Italiener auf deutscher Seite relevant sind, und sich mit ihnen abgestimmt: mit dem Bundeskanzler, mit Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU), mit Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD), mit der Vorstandsvorsitzenden der Commerzbank, Bettina Orlopp, sowie mit dem Betriebsratsvorsitzenden der Commerzbank, Sascha Uebel.
Die Bundesregierung hat den Einstieg der Unicredit zunächst ausgesprochen kritisch begleitet. Ihr verdecktes Vorgehen, das heimliche Sichern von Anteilen an der Commerzbank, stufte sie als aggressives, feindliches Verhalten ein. Das wollte man nicht honorieren. Gemeinsames Ziel mit der Commerzbank war, den Angriff der Italiener abzuwehren. Inzwischen hat Unicredit jedoch Zugriff auf knapp 50 Prozent der Anteile des Instituts. Nun heißt das Motto Schadenbegrenzung.
Nunmehr strebt die Bundesregierung an, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt. Auch soll diese ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortsetzen können, auch mit ihrem Auslandsnetzwerk. Zudem hofft man in Berlin, dass die fusionierte Bank die Wichtigkeit des deutschen Marktes in ihrer Organisationsstruktur spiegeln wird. Der Bund will als zweitgrößter Aktionär der Commerzbank weiterhin zwei Vertreter in ihren Aufsichtsrat entsenden.
