Als Bettina Orlopp vor zwei Jahren ihren Posten als Vorstandsvorsitzende der Commerzbank antrat, waren die Vorzeichen denkbar schlecht. Damals war kurz zuvor bekannt geworden, dass die italienische Bank Unicredit bei der Commerzbank eingestiegen war und eine Übernahme anstrebte.
Schon 2024 war absehbar: Es würde für Orlopp schwer werden, ein Zusammengehen der beiden Institute auf Dauer wirklich zu verhindern. Sie hat das Beste daraus gemacht. Orlopp hat die Kosten gesenkt und die Bank mit neuen ehrgeizigen Renditezielen ein gutes Stück vorangebracht. Auch wenn Unicredit gerne anderes behauptet, ist der deutlich gestiegene Aktienkurs nicht nur der Aussicht auf eine Übernahmeprämie geschuldet. Sondern eben auch echten Anstrengungen der Commerzbank. Dafür sind die Aktionäre Orlopp zu Dank verpflichtet.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Es wäre aber ein Fehler, daraus abzuleiten, dass die Commerzbank-Chefin nun unbedingt die richtige Frau wäre, um die Details der Übernahme mit Unicredit-Chef Andrea Orcel auszuloten. Mit seiner ungestümen Art macht sich der Italiener zwar hierzulande keine Freunde. Aber die Vorstellung, dass Orcel ausgerechnet in Verhandlungen mit seiner Gegenspielerin Orlopp eine gute Lösung finden könnte, ist weltfremd. Da ist es nur konsequent, dass die Italiener im Hintergrund bereits an Orlopps Ablösung arbeiten, wie jetzt bekannt wurde.
Wer Orcel nun schlechten Stil vorwirft, verkennt: Leute, die lange gegeneinander gearbeitet haben, werden nicht plötzlich zu Pragmatikern. Sie behindern sich eher gegenseitig. Gerade dies kann sich die Commerzbank aber derzeit am wenigsten erlauben. Je schneller die Verhältnisse zwischen den Führungsleuten geklärt sind, umso schneller kann sich die neu entstehende Bank wieder auf ihr eigentliches Geschäft konzentrieren. Dies wäre übrigens auch im Sinne der Aktionäre.
