
Mehrere Monate bangte der traditionsreiche Linkentreff Club Voltaire um seine Zukunft. Nun ist klar, dass er in Frankfurt weiterbestehen wird. Die Immobilie an der Kleinen Hochstraße 5 nahe der Freßgass’ geht in den Besitz der Stiftung Medico International über, die das Gebäude weiter an den Club vermieten wird. Das gaben Vertreter der Stadt, des Clubs und der Stiftung am Montag gemeinsam bekannt. Medico habe die Immobilie am Freitag gekauft, sagte die Sprecherin der Stiftung. Eine Verkaufssumme wollte sie nicht nennen. Man habe sich „stillschweigend“ mit dem bisherigen Eigentümer geeinigt. Der Trägerverein des Clubs hatte den Kaufpreis zuvor auf zwischen einer und zwei Millionen Euro geschätzt.
Der vor mehr als 60 Jahren eröffnete Club Voltaire gilt in Frankfurt als beliebter Treffpunkt der linken Szene mit regelmäßigen Konzerten und Diskussionsveranstaltungen. Eigentlich sollte der Mietvertrag der Kneipe, die auch über zwei Veranstaltungsräume verfügt, zum Ende des Jahres auslaufen. Der bisherige Besitzer hatte geplant, die Immobilie zu verkaufen. Der Club Voltaire fürchtete, eine mögliche Erhöhung der Mieten nicht stemmen zu können oder dass das Gebäude abgerissen wird. Der Trägerverein des Clubs rief daraufhin eine Rettungskampagne ins Leben. Zeitweise wurde auch seitens der Stadt ein Kauf der Immobilie in Erwägung gezogen.
Mit Mieteinnahmen sollen Projekte unterstützt werden
Die Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Medico, die in mehr als 30 Ländern aktiv ist, hat ihren Sitz in Frankfurt. Angesichts autoritärer Entwicklungen in der Weltpolitik seien Diskursräume wie der Club Voltaire wichtiger denn je, sagte die Sprecherin. Es sei daher auch ein Anliegen der Stiftung, den Betreibern auch in Zukunft ein Haus in der Frankfurter Innenstadt zur Verfügung zu stellen. Mit den künftigen Mieteinnahmen wolle die Stiftung Partnerprojekte im globalen Süden unterstützen. Über die Höhe der Mieteinnahmen machten weder die Sprecherin noch Lothar Reininger, der die Rettungskampagne für den Trägerverein koordinierte, Angaben.
Künftig dürften die Betreiber allerdings tiefer in die Tasche greifen müssen. Man habe sich in gegenseitigem Austausch auf einen Mietzins geeinigt, „mit dem der Club Voltaire gut arbeiten kann“ und der es Medico ermögliche, dem Stiftungszweck nachzukommen, sagte die Sprecherin. Das bestätigte Reininger. Dass eine Stiftung gewisse Renditeziele verfolge, sei von Anfang an klar gewesen.
Dennoch sei die Zusammenarbeit mit Medico für den Club die beste Lösung. Neben dem Austausch mit der Stadt, die ebenfalls einen Kauf der Immobilie prüfte, setzte der Trägerverein auf Kreditzusagen privater Unterstützer, um das Gebäude selbst zu kaufen. Laut Reininger konnte seine Kampagne so von mehr als 60 Kreditgebern drei Viertel des Kaufpreises einwerben. Auf dieses Geld müssten die Kreditgeber allerdings bis an ihr Lebensende verzichten, so Reininger. „Eine Tilgung würde erst erfolgen, wenn wir irgendwann mal kaputtgehen und das Gebäude verkauft wird.“
Oberbürgermeister Mike Josef und Kulturdezernentin Ina Hartwig (beide SPD) hoben die historische Bedeutung des Club Voltaire als Debattenraum hervor. Bei der Suche nach einer tragfähigen Lösung habe die Stadt eine Vermittlerrolle eingenommen, sie habe mehrere Gespräche mit dem bisherigen Eigentümer geführt, sagte Hartwig. Auch für sie sei der Kauf durch Medico „die ideale Lösung“. Der Kauf der Immobilie durch die Stadt setze einen Beschluss in der Stadtverordnetenversammlung voraus, das koste Zeit und sei politisch umstritten gewesen. An der Bezuschussung des Clubs durch die Stadt werde sich auch in Zukunft nichts ändern, so Hartwig. Derzeit erhält der Club Voltaire städtische Zuschüsse von rund 37.000 Euro.
