
Was genau der CIA-Chef mit seinem russischen Pendant besprochen hat, wissen nur die Beteiligten dieses Gesprächs und jene, denen sie Rapport erstatteten. Die Berichte amerikanischer Medien über den Zweck der Reise dürften gleichwohl nicht frei erfunden sein. Wahrscheinlich wurde ihnen von offizieller Seite gesteckt, welche Botschaft der CIA-Chef, ein „Falke“, den Russen überbringen sollte: dass Washington Anzeichen für einen möglichen Angriff auf NATO-Staaten sieht und Moskau vor einem solchen Abenteuer warnt.
Wenn Putins „grüne Männchen“ das Baltikum angreifen
Westliche Strategen gehen schon lange davon aus, dass Putin die fortlaufende Eskalation seines „hybriden“ Krieges gegen die europäischen NATO-Staaten bis zu einem Angriff „grüner Männchen“ auf das Baltikum treiben könnte – in der Annahme, dass das Verteidigungsbündnis aus der oft bekundeten Angst, in einem heißen Krieg mit Russland zu landen, die Angegriffenen im Stich lässt und darüber zerbricht. Der Kreml rüstet weit über den Bedarf hinaus auf, den sein Angriffskrieg in der Ukraine hat. Mit Cyberangriffen, konventionellen Sabotageakten und immer dreisteren Drohneneinsätzen testet er die Entschlossenheit und Geschlossenheit der NATO.
Ermuntert dazu wurde er nicht nur durch schwache Reaktionen der Europäer auf seine Provokationen, sondern vor allem auch von einem amerikanischen Präsidenten, der sich nicht mehr als Schutzherr Europas versteht. Er bekundete sogar wörtlich, Putin könne mit den Europäern machen, was er wolle. Erwachsene in Washington scheinen jetzt jedoch zu dem Schluss gekommen zu sein, dass man erst Trump und dann Putin klarmachen müsse, dieser Freibrief gelte nicht mehr.
Wird das den Kreml beeindrucken? Ein Besuch des CIA-Chefs in Moskau reicht dafür nicht. Eine solche Visite hatte den Kreml auch nicht vor dem Überfall auf die Ukraine abhalten können. Wenn Washington wirklich etwas zur Abschreckung Putins tun will, dann sollte es im Baltikum und in den anderen Frontstaaten amerikanische Soldaten in erheblicher Stärke stationieren – und die Unterstützung der Ukraine hochfahren.
