Beim Berliner CSD ist ein Auto in eine Menschenmenge gefahren. Eine Frau wurde getötet. Am Sonntag erschoss die Polizei den Tatverdächtigen. Was wir wissen und was nicht.
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© Ralf Hirschberger/AFP/Getty Images
Auf dem Christopher Street Day (CSD) in Berlin ist ein Fahrzeug in eine Menschenmenge gefahren. Eine Frau wurde getötet und mehrere Menschen teils schwer verletzt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sowie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) stufen die Tat als islamistischen Terroranschlag ein. Der mutmaßliche Täter konnte zunächst fliehen und wurde am Sonntagabend in Berlin-Spandau bei einem Polizeieinsatz erschossen. Vieles ist allerdings noch unklar. Was wir wissen und was nicht:
Was wir über den Angriff in Berlin wissen
- Ein weißer Transportwagen ist am späten Samstagabend auf dem Berliner CSD am Tiergarten in eine Menschenmenge gefahren. Die Veranstaltung wurde daraufhin abgebrochen.
- Nach Angaben von Bundesinnenminister Dobrindt gab es eine zweite Tatphase nach dem Angriff mit
dem Fahrzeug. »Anschließend ist er mit einer Stichwaffe, mit einer Hiebwaffe,
mutmaßlich einer Machete, auf weitere Passanten losgegangen und hat
diese ebenfalls schwer verletzt«, sagte Dobrindt über den Tatverdächtigen. - Eine Frau starb bei dem Angriff. Zudem gibt es laut Dobrindt 29 »Verletzte und Schwerstverletzte«. In Lebensgefahr schwebt niemand mehr.
- Der Täter verließ laut Polizei das Auto. Tatverdächtig ist der 21 Jahre alte Abdul B., der den Behörden aufgrund früherer Straftaten und der Zugehörigkeit zur islamistischen Szene bekannt war.
- Rund 20 Stunden lang war nach Abdul B. gefahndet worden. Am Sonntagabend wurde er von Einsatzkräften der
Polizei im Berliner Bezirk Spandau erschossen. Nach dem Tod des Tatverdächtigen geht Bundesinnenminister Dobrindt
aktuell von keiner weiteren Gefahr aus. - Die Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen übernommen. Bundeskanzler Friedrich Merz wertet die Gewalttat als islamistischen Terroranschlag.
Was über den Tatverdächtigen bekannt ist
- Bei dem Verdächtigen handelt es sich um den 21-jährigen Abdul B. Nach
ihm war »aufgrund des Verdachts eines Anschlags« gefahndet worden. Die Polizei beschrieb ihn als schlank,
dunkelhaarig und etwa 1,90 Meter groß. - Am Sonntagabend wurde der flüchtige Abdul B. in
einer Kleingartenkolonie in Berlin-Spandau von Einsatzkräften der
Polizei erschossen. - Nach Angaben des Bundesinnenministers war der Tatverdächtige deutscher Staatsbürger. Seine Familie habe einen libanesischen Hintergrund.
- Abdul B. war polizeibekannt. Dobrindt sprach von einem
»hohen Maß von Straftaten« und einer »islamistischen Radikalisierung«
des Tatverdächtigen. - Die
Ermittler gehen nach ZEIT-Informationen Hinweisen nach, die darauf
hindeuten, dass es einen zweiten Tatbeteiligten gegeben haben könnte. Die Polizei hat demnach einen weiteren Mann festgenommen, bei dem es sich offenbar um einen 28 Jahre alten Iraner handelt. In
welchem Zusammenhang er mit der Tat steht, ist noch unklar.
Was über die Vergangenheit des Tatverdächtigen bekannt ist
- Der mutmaßliche Täter hat laut der Berliner Generalstaatsanwaltschaft im vergangenen Jahr mehrmals erfolglos versucht, sich im Ausland dem
bewaffneten Kampf der Terrormiliz »Islamischer Staat« anzuschließen. - Im Juli 2025 wurde er im Libanon
festgenommen und dort von einem Militärgericht »unter anderem wegen Anstiftung zu
religiösen und konfessionellen Konflikten« zu drei Monaten Haft
verurteilt. Nach seiner Haftentlassung war Abdul B. laut der Staatsanwaltschaft im November 2025
nach Deutschland zurückgekehrt und noch am Flughafen in Berlin erneut
festgenommen worden. - In Deutschland wurde Abdul B. am 12. Mai 2026 am Amtsgericht Tiergarten unter anderem wegen der Vorbereitung
einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Generalstaatsanwaltschaft legte der Mitteilung zufolge Berufung gegen das Urteil ein,
dieses ist deshalb noch nicht rechtskräftig. Demnach hatte sie eine
Aufrechterhaltung des Haftbefehls und eine höhere Strafe gefordert. - Vor etwa drei Wochen gab es laut der Berliner Generalstaatsanwaltschaft eine Durchsuchung bei dem mutmaßlichen Attentäter wegen eines
Anfangsverdachts auf Verstöße gegen das Waffengesetz. Es wurde demnach
aber nur eine Spielzeugwaffe gefunden, weshalb das Verfahren
anschließend eingestellt werden musste. - Bereits 2022 war Abdul B. laut Staatsanwaltschaft von einem
Jugendschöffengericht in Berlin wegen Körperverletzung und räuberischer
Erpressung verurteilt worden.
Was wir über die Opfer wissen
- Über die Identität der Opfer ist wenig bekannt. Alter und Name der
getöteten Frau sind bisher nicht veröffentlicht. - Die Verletzten befinden sich nach Angaben der Berliner Polizei nicht mehr in Lebensgefahr.
Was wir noch nicht wissen
- Unklar ist weiterhin, ob es weitere Tatbeteiligte gibt.
- Fahnder versuchen noch, den genauen Tatverlauf und die anschließende Flucht des oder der Täter zu rekonstruieren.
- Ungewiss ist laut den Behörden, ob der gesuchte Verdächtige Abdul B. tatsächlich das Fahrzeug gesteuert hat.
- Ebenfalls offen ist, wem der weiße Transporter gehört. Die Polizei stellte
lediglich klar, dass es sich um ein Privatfahrzeug und keinen Mietwagen
handelt. - Über das konkrete Motiv ist ebenfalls noch nichts bekannt.
Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP
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Hinweis: In einer früheren Version hieß es, die zweite festgenommene Person, offenbar ein 28 Jahre alter Iraner, soll mit im Tatfahrzeug gesessen haben. Das ist zwar wahrscheinlich, allerdings noch nicht sicher erwiesen. Die Stelle wurde entsprechend angepasst.
