
FDP-Politiker sprechen über ihre Partei gern wie über eine Firma. Diese soll Politik verkaufen. Darum bringt immer dann, wenn es der Partei schlecht geht, jemand den Begriff „Rebranding“ ins Spiel, oft verbunden mit der Idee, die FDP bräuchte einen neuen Namen, um wieder attraktiver zu sein. Das hat Züge, über die sich leicht spotten lässt. Aber auch einen ernst zu nehmenden Kern: Liberale schätzen den Wettbewerb. Sie sind bereit, neu anzufangen und dafür etwas zu riskieren. Viele waren dazu gezwungen, als die Partei im vergangenen Jahr aus dem Bundestag flog. Sie mussten neue Jobs finden. Auch Christian Lindner, der als Parteivorsitzender zurücktrat.
Passt nicht zum Klischee vom Porschefahrer
Der Job, den er wählte, überraschte manchen. Lindner begann Anfang dieses Jahres als Vertriebsvorstand bei „Autoland“. Der Konzern, dessen Zentrale in Sachsen-Anhalt liegt, verkauft gebrauchte Autos. Das passt nicht zum Lindner-Klischee vom Porschefahrer und Aktienfan, den viele eher in der Welt des Investmentbankings gesehen hätten.
Lindner seinerseits hielt dagegen: „Mein Herz schlägt für den Mittelstand, und Autos sind meine Passion“, kommentierte er seine Entscheidung kurz vor dem Jahreswechsel auf Instagram. Er freue sich auf die neue Aufgabe. Nun, wenige Monate später, hat er schon wieder eine neue: Im kommenden Jahr soll er Chef des Unternehmens werden.
Es passt zu Lindner, dass er an die Spitze strebt. Der Ehrgeiz hatte ihn, gepaart mit Intelligenz und Ausdauer, länger als jeden vor ihm an der Spitze der Freien Demokraten gehalten. Dass er beruflich drei Gänge zurückschalten würde, um seine Rolle als Vater einer kleinen Tochter voll und ganz auszukosten, hatten nur wenige angenommen.
Zwar kostet er diese auch tatsächlich aus; Parteifreunde, die ihn gut kennen, schwärmen davon, wie er von seiner Tochter schwärme, und betonen, dass er zwar für sie erreichbar sei, aber manchmal eben unterwegs, während er den Kinderwagen durch die Natur schiebe.
Doch die Arbeit kostet Lindner ebenfalls aus. Freude an Erfolgen in der freien Wirtschaft zeigte er schon als Schüler; legendär das Video, das ihn als 18 Jahre alten Schüler zeigt, der als Jungunternehmer im schwarzen Mercedes vorfuhr. Zwar studierte er Politikwissenschaften, Öffentliches Recht und Philosophie, also nicht gerade klassische Fächer für angehende Manager, bildete sich aber dafür immer weiter fort. Auch in Gebieten, die nicht direkt auf seine Arbeit einzahlten; so machte er den Jagdschein, den Sportführerschein See und den Fischereischein.
Der 47 Jahre alte Lindner lernt gern – eine Eigenschaft, die in der Politik ebenso nützlich ist wie an der Spitze eines Autohandelskonzerns mit einer Milliarde Euro Jahresumsatz.
