Die zum Tode verurteilte Christa Pike befindet sich nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch im US-Bundesstaat Tennessee laut ihren Anwälten in einem kritischen Zustand. Sie lebe und erhalte im Krankenhaus eine »lebensrettende Behandlung«, eine genaue Prognose ihres Gesundheitszustandes gebe es bisher nicht, sagte ihr Anwalt Randy Spivey bei einer Pressekonferenz. Pikes Verteidigung forderte Tennessees Gouverneur Bill Lee auf, Pikes Todesstrafe aufzuheben und sie stattdessen lebenslang in Haft zu lassen.
Der 50-jährigen Pike waren zwei Spritzen mit dem Wirkstoff Pentobarbital verabreicht worden. Bei entsprechender Dosierung verursacht das normalerweise einen Atem- und Herzstillstand. Die Anwälte berichteten aber von zahlreichen Problemen während der versuchten Hinrichtung – etwa beim Legen der Zugänge. Spivey sagte, er habe Pike nach der ersten Verabreichung noch sprechen und singen gehört.
Die Anwälte bemängeln auch mangelnde Transparenz während des Ablaufs: Der Vorhang zum Zeugenraum sei über längere Zeit geschlossen gewesen, Informationen seien nur verzögert weitergegeben worden. Erst viel zu spät habe man erfahren, dass ein Krankenwagen unterwegs sei.
Anwalt will weitere Schritte mit Pike besprechen
Die Verteidigung prüft eigenen Angaben zufolge weitere rechtliche Schritte. Zunächst solle sich Pike jedoch erholen und selbst mitentscheiden können, wie weiter vorgegangen werde. »Was gestern Abend passiert ist, war nicht nur ineffizient, sondern grausam und qualvoll«, sagte Spivey.
Der Gouverneur Bill Lee verschob zunächst auf unbestimmte Zeit einen möglichen neuen Versuch für eine Hinrichtung von Pike und setzte eine weitere für dieses Jahr geplante Hinrichtung aus. Außerdem ordnete er eine unabhängige Untersuchung an. Das eingesetzte Präparat wurde in der Vergangenheit in mehreren Bundesstaaten bei Hinrichtungen eingesetzt. Es wurden allerdings Bedenken laut, dass es möglicherweise unnötige Schmerzen und Leiden verursache.
Pike war 1996 wegen des Mordes zum Tode verurteilt worden. Die heute 50-jährige Pike wäre die erste Frau seit mehr als 200 Jahren gewesen, die in Tennessee hingerichtet worden wäre.
