„Bist du eine romantische Person“, fragt Amelia Dimoldenberg Paul Mescal und beißt in einen knusprigen Chicken Wing. „Ich würde sagen ja, aber was für eine Person romantisch ist, ist nicht romantisch für eine andere Person“, erwidert Schauspieler Mescal. „Was ist für dich romantisch, abgesehen hiervon?“ Gekonnt übergeht Mescal ihre letzte Bemerkung: „Ich liebe Spazierengehen.“
Die beiden führen ein Interview, aber eigentlich haben sie der Definition ihrer Sendung nach ein Date in einem Londoner Chicken Shop. Die Moderatorin und Journalistin Amelia Dimoldenberg dreht hier nämlich ihre erfolgreiche Youtube-Show, die nach dem besonderen Ort ihrer romantischen Treffen benannt ist: „Chicken Shop Date“.
Und so sitzt sie auch mit Mescal in einer solchen Filiale, und sie essen Chicken Wings und Pommes und unterhalten sich über seine traurigen Filmrollen. „Sexy sad“ nennt Dimoldenberg ihn.
Interviews als „Dates“ zu rahmen, sollte lustig sein. Sie startete das Format erst im Print und interviewte Freunde von Freunden. 2014 lud Dimoldenberg dann ihr erstes Youtube-Video hoch und traf anfangs vorwiegend Londoner Rapper und Musiker, später konnte sie sich ihre Gäste aussuchen. Das Format wurde so beliebt, dass einzelne Folgen, wie etwa eine mit Billie Eilish, zehn Millionen Mal angeschaut wurden und ihre Show für diverse Awards nominiert wurde.
Auch die guten Dates müssen einmal enden
Nach mehr als zehn Jahren verkündete Dimoldenberg nun, dass sie das Format einstellen werde: „All good dates must come to an end“, alle guten Dates müssen auch einmal enden. Für sie sei die Show ihre ganz persönliche „Romcom“ gewesen.
Sie hatte ein Händchen für solche Dates mit Prominenten. Andrew Garfield war da, Charli XCX, Cher oder Paul McCartney. In ihrer Youtube Show flirtet Dimoldenberg vor laufender Kamera mit ihren Gästen; eigentlich interviewt sie aber Prominente aus der Musikszene, Film und Fernsehen und entlockt ihnen geschickt Sätze über das spannende Thema Dating und ihre Lebenseinstellungen. Lässig und nebenbei baute sie Lyrics der Musiker in ihre Fragen ein und kannte jede Filmrolle ihrer Gäste bis ins Detail. Und weil ihre Gäste medientrainierte Promis waren, entstand oft ein reizvolles Ping-Pong. Aus dem vielen Material eines Treffens blieben für das Publikum nur die besten acht bis zehn Minuten übrig, im Video werden die Schnipsel nur unterbrochen durch Aufnahmen von brutzelnden Chicken Wings und Pommes.
Seit einigen Jahren moderiert Dimoldenberg auch auf roten Teppichen, etwa vergangenes Jahr bei den Oscars. Die Mischung aus nahbar, schlagfertig und selbstironisch lockt Stars aus der Reserve. Ein Gespräch mit Ethan Hawke ging etwa viral, in dem er auf die Frage, wie man mit unerwiderter Zuneigung umgehen sollte, sagte: „Die Person, die liebt, gewinnt immer!“
In solchen Formaten wird Dimoldenberg bestimmt auch weiter zu sehen sein. Ein paar letzte Dates sind auch noch geplant. Wer aber seine Zwanziger in Chicken Shops verbrachte, sehnt sich sicherlich nach neuen gastronomischen Erfahrungen und Ortswechseln.
