
Juan Jesús Vivas hat schon gewarnt, bevor es überhaupt richtig losging. Schon vor dem 30. Juli schwammen immer mehr Marokkaner und Migranten nach Ceuta. Doch wie so oft stießen seine Notrufe auf taube Ohren. Am Donnerstag suchte der Regionalpräsident von Ceuta König Felipe VI. auf, um ihm einen Eindruck von der Lage in der Stadt am südlichen Mittelmeerufer zu vermitteln, die weiter dramatisch ist: Von der Rückkehr zum Alltag, die die Zentralregierung in Madrid voreilig verkündet hatte, könne angesichts von 6000 Migranten in den Straßen noch keine Rede sein, sagt Vivas. Ceuta mit nur 84.000 Einwohnern wurde zum Schauplatz der größten Migrationskrise Spaniens.
Für Vivas ist es nicht das erste Mal, dass seine Stadt, die zugleich den Status einer autonomen Region hat, einem Massenansturm ausgesetzt ist. Zuletzt strömten 2021 mehr als 8000 Menschen über die Grenze. Seit Februar 2001 ist der 73 Jahre alte Politiker der konservativen PP schon Regierungschef von Ceuta. Unter den spanischen Regionalpräsidenten hält er damit einen historischen Rekord.
Auch in diesen Tagen fühlt sich Vivas von der linken Zentralregierung in Madrid wie von seinen Parteifreunden in der konservativen PP alleingelassen. Die Regierung reagierte am Donnerstag voriger Woche erst, als schon Zehntausende in der Stadt waren, und mobilisierte die Armee. Danach spielte sie das Ausmaß der Krise herunter. Am Ende behielt Vivas immer recht mit seinen höheren Migranten- und Totenzahlen.
Die PP bremste die Umverteilung der Minderjährigen aus Ceuta
Die PP bremste ein Gesetz, das nicht nur für Ceuta, sondern auch für Melilla und die Kanaren wegen der vielen Migranten überlebenswichtig ist. Erst vor einem Jahr gelang es, einen nationalen Schlüssel für die Umverteilung minderjähriger Migranten zu schaffen. Mehr als 1100 marokkanische Kinder und Jugendliche sind in Ceuta. Doch vier von der PP (und der rechtspopulistischen Vox-Partei) regierte Regionen auf dem Festland haben schon angekündigt, keinen einzigen Minderjährigen aufzunehmen.
Ceuta, wo Vivas 1953 geboren wurde, bevor er in Málaga Wirtschaftswissenschaften studierte, ist anders. Der PP-Mann regiert in einer Stadt, in der mehr als 40 Prozent der Einwohner Muslime sind, zum größten Teil marokkanischen Ursprungs. Sie leben friedlich Seite an Seite mit Christen, Juden und Hindus.
Das Principe-Viertel unweit des Grenzübergangs am Tarajal-Strand galt lange als einer der gefährlichsten Brennpunkte Spaniens. Trotz umfangreicher Subventionen des spanischen Staats und der EU kämpft Ceuta mit einer Arbeitslosenquote von mehr als 20 Prozent. Gleichzeitig ist in Ceuta die „Légion“ stationiert, die frühere Fremdenlegion, heute eine Eliteeinheit der Armee. Der Ausnahmezustand hielt Vivas jedoch nicht davon ab, am Mittwoch die jährliche Prozession zu Ehren der Jungfrau von Afrika anzuführen.
