
„Aus gesundheitlichen Gründen sehe ich mich leider nicht mehr in der Lage, mich so für die Menschen in meinem Wahlkreis, im Wetteraukreis und in Hessen einzusetzen, wie ich es in meinen langen Jahren als Abgeordneter immer versucht habe.“ So stand es in einer Mitteilung, die der frühere Landtagspräsident Norbert Kartmann kurz vor Weihnachten im Jahr 2022 verschickte. Als er wenige Tage später aus dem Parlament ausschied, hatte er ihm nicht nur 35 Jahre lang angehört.
Er hatte ihm über mehr als 15 Jahre hinweg vorgestanden, länger als jeder andere Politiker in der Geschichte Hessens. Der Krankheit, die ihn schon bei seinem Abschied aus der Politik zeichnete, ist der Grund- und Hauptschullehrer für Physik und Religion am Pfingstsamstag erlegen. Er hinterlässt seine Ehefrau, drei Kinder und fünf Enkel.
Mehr als 15 Jahre Präsident
Er habe „Hessen geprägt“, heißt es in einem Nachruf der heutigen Landtagspräsidentin Astrid Wallmann (CDU). Ministerpräsident Boris Rhein (CDU), sein unmittelbarer Nachfolger an der Spitze des Parlaments, nannte ihn einen „homo politicus durch und durch“. Rhein erinnerte daran, dass Kartmann sich mehr als ein halbes Jahrhundert unermüdlich politisch engagiert habe. Seine Heimatverbundenheit und die Rolle, die er in der Wetterau einnahm, füllten ihn allein nicht aus.
Kartmann blickte stärker als andere Landtagspräsidenten weit über die Landesgrenzen hinaus. Seinen Vater hatte es im Zweiten Weltkrieg aus Siebenbürgen nach Hessen verschlagen. Von dort aus reiste der Sohn im Alter von elf Jahren zum ersten Mal in das damals kommunistisch regierte Land seiner Vorfahren.
Mit dem rumänischen Staatspräsidenten verbunden
Seine engen Beziehungen zu Rumänien brachten es mit sich, dass der Unionspolitiker den langjährigen Staatspräsidenten Klaus Johannis schon regelmäßig traf, als der noch Bürgermeister von Hermannstadt war. Als Kartmann im Jahr 2018 im Wiesbadener Landtag der höchste Orden verliehen wurde, den Rumänien zu vergeben hat, zeichnete dessen Botschafter in Berlin, Emilian Hurezeanu, in seiner Laudatio das „Porträt eines Europäers“. Er charakterisierte den Unionspolitiker aber auch als „rigorosen und bestimmten Protestanten“ und als eine „jovial-gemütlich und frei denkende, von Katholiken und Orthodoxen gleichermaßen geschätzte Persönlichkeit“.
Angefangen hatte Kartmann im Landtag als Bildungspolitiker. Er wurde Fraktionschef, als Roland Koch (CDU) 1999 in die Staatskanzlei einzog. In der Schwarzgeld-Affäre, die den Regierungschef und die hessische CDU an den Rand des Abgrunds brachte, begegnete Kartmann dem Trommelfeuer der Angriffe mit ruhiger Standfestigkeit.
Fünf Jahre später räumte er seinen Platz für den aufstrebenden, späteren Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung und wurde Präsident des Landtags. Das Amt übte er vor allem in den Plenarsitzungen mit einer Gelassenheit aus, die sich durch die Erfahrungen erklärte, die Kartmann mit dem Kommunismus im Land seiner Vorfahren und mit der Parteipolitik in Hessen gesammelt hatte. Er war durch nichts mehr so leicht zu erschüttern.
