Wenn größere Entwicklungen anstehen – etwa bei internationalen Krisen oder militärischen Operationen – werden wir in der Regel vorab informiert. Das war auch bei der Luftbrücke nach Afghanistan 2021 so. Bislang haben wir nichts gehört. Ich habe deshalb nach der Ankündigung beim Verbindungsbüro auf der Air Base nachgefragt, aber dort liegen keine Informationen über konkrete Veränderungen vor.
Wie ist die Stimmung in Ramstein-Miesenbach nach der Ankündigung?
Das Verhältnis zu den Amerikanern in unserer Nachbarschaft ist weiterhin sehr gut. Viele von ihnen sind mit ihren Familien im Fußballverein, am Spielfeldrand in Ramstein war auch am Samstag alles „easy going“. Die Ankündigung ist natürlich ein Thema, die Reaktionen sind aber vergleichsweise gelassen. Dass die USA ihre Truppen in Deutschland reduzieren wollen, das gab es schon vor Donald Trump. Am Ende haben wir davon eher profitiert: Kleinere Standorte wurden geschlossen, Ramstein dafür gestärkt und ausgebaut. Ein entscheidender Moment war die Verlagerung militärischer Infrastruktur von Frankfurt Rhein-Main vor 25 Jahren zu uns und nach Spangdahlem. Über die Jahre hat das den Standort massiv gefestigt. Während der ersten Trump-Präsidentschaft gab es einerseits Drohungen, andererseits wurde der Bau des neuen US-Militärkrankenhauses in unserem Nachbarort Weilersbach fortgesetzt. Dort wird mehr als eine Milliarde Euro investiert.

Sie klingen, als wären Sie sich Ihrer Sache sehr sicher. Was würde es für Sie bedeuten, wenn tatsächlich aus Ramstein im großen Stil Soldaten abgezogen würden?
Wir nehmen die Ankündigung natürlich ernst. Wenn es so käme, wären die Auswirkungen dramatisch. Rechnet man alle Ausgaben zusammen, auch Mieten, gebuchte Hotelzimmer oder Aufträge an deutsche Unternehmen, fließen durch die US-Armee zwei Milliarden Euro jährlich in die Region. Weil die meisten Soldaten hier mit Angehörigen leben, würde ein Abzug von 5000 Soldaten bedeuten, dass auf einen Schlag etwa 12.000 Menschen wegzögen. Das entspricht der Wirtschaftskraft einer Kleinstadt, die von heute auf morgen wegfällt. Schauen Sie nach Zweibrücken, Pirmasens oder Bitburg: Diese Orte haben sich vom Abzug der Amerikaner bis heute nicht erholt. Das war damals ein harter Einschnitt.
In Ramstein werden Drohnenangriffe im Nahen Osten abgewickelt, die Koordination der Ukraine-Militärhilfen findet bei Ihnen statt und während des Iran-Kriegs landeten bei Ihnen Militärflugzeuge. Wie viel bekommen Sie davon mit?
Wenn es erhöhte Aktivitäten gibt, hören wir das meist als erste, weil viel mehr Maschinen starten und landen.
In der Westpfalz gibt es eine tiefe Verbundenheit zu den USA. Hat sich das Verhältnis in den vergangenen Jahren abgekühlt?
Unser Verhältnis zu den USA ist rationaler geworden. Kritik gibt es auch bei uns, aber sie richtet sich eher gegen den Präsidenten und seinen Stil. Die Art, wie mit Partnern umgegangen wird, stößt vielen auf. Das führt aber nicht dazu, dass man die hier stationierten Soldaten ablehnt. Die Verbindung ist lange gewachsen, sie ist Teil des Alltags. Viele Menschen arbeiten seit Jahrzehnten für die Amerikaner – wir sprechen von rund 2.300 Beschäftigten allein hier in der Region. Das schafft eine enge wirtschaftliche und persönliche Verflechtung.
Gleichwohl ist für den Sommer wieder eine Demonstration gegen die US-Präsenz in Ramstein angekündigt.
Da werden Sie aber fast niemanden aus der Region finden. Der Protest gegen die Air Base kommt von Auswärtigen.
