
Nein, ein faires und friedliches Miteinander all derjenigen, die sich im Rathaus als gewählte Vertreter der Bürger eigentlich um eine gedeihliche Entwicklung der Kommune kümmern sollten, wird es in Raunheim auch künftig nicht geben. Schon in den Stunden nach dem am Quorum gescheiterten Abwahlantrag gegen Bürgermeister David Rendel (SPD) hat die nächste Posse gezeigt, wie viel Misstrauen immer noch zwischen den Beteiligten besteht. Weil einige Rendel-Gegner nach Bekanntwerden des aus ihrer Sicht unbefriedigenden Wahlergebnisses im Rathauskeller auf geschreddertes Papier gestoßen sind, wurde am Sonntag sogar die Polizei gerufen. Jetzt wird „wegen des Verdachts der Fälschung von Wahlunterlagen“ ermittelt. Um was für einen Fund es sich tatsächlich handelt, lässt sich allerdings noch nicht sagen. Nur so viel: Anhänger des seit Langem umstrittenen Bürgermeisters wären ziemlich doof, wenn sie von ihnen selbst vernichtete Wahlunterlagen säckeweise ausgerechnet im Untergeschoss des Verwaltungsgebäudes abgelegt hätten.
Abwahl des Bürgermeisters gescheitert
Wie man es auch dreht und wendet, die Atmosphäre im Rathaus der mehr als 15.000 Einwohner zählenden Stadt ist derart vergiftet, dass man allen Beteiligten raten möchte, von ihren jeweiligen Ämtern zurückzutreten. Da ist zum einen der Bürgermeister, der nach Lage der Dinge – weil ihn zwar viele, aber eben nicht genügend Raunheimer aus dem Amt haben wollten – jetzt noch bis 2029 weitermachen darf. Und da sind Vertreter der vier Fraktionen Wir sind Raunheim, CDU, Grüne und UMMA, die den streitbaren Rendel seit Monaten stürzen wollen und auch die jetzt gescheiterte Abwahl per Bürgerentscheid initiiert haben; die sich aber, wenn man es genauer betrachtet, eigentlich immer noch am schwierigen Vermächtnis des früheren SPD-Bürgermeisters, des 2022 überraschend verstorbenen Thomas Jühe, abarbeiten.
Solange die Politik in Raunheim von Klagen und Gegenklagen, Intrigen, Behauptungen und Verdächtigungen sowie Stadtverordnetenbeschlüssen und deren sofortiger Aufhebung bestimmt wird, ist keine Besserung in Sicht. Und Rendels Partei, die sich vor allem durch Abgrenzung vom eigenen Bürgermeister hervortut, braucht nicht zu hoffen, dass die SPD in der Stadt mit diesem Verhalten irgendwann zu alter Stärke zurückkehren könnte. So bleibt es aktuell Außenstehenden wie dem Rüsselsheimer Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) vorbehalten, den Nachbarn gute Ratschläge zu geben: etwa sich zusammenzuraufen, aufeinander zuzugehen und es vielleicht mit einer Mediation zu versuchen.
