Als die Wehrpflicht in Deutschland 2011 ausgesetzt wurde, waren die heute 18-Jährigen drei Jahre alt. Krieg kannten sie lange Zeit nur aus dem Geschichtsunterricht, aus Filmen, Büchern oder Nachrichten aus anderen Teilen der Welt. Doch seit Russland die Ukraine im Februar 2022 vollumfänglich angriff, hat sich die Sicherheitslage in Europa insgesamt verändert.
Um die Bundeswehr zu stärken, hat der Deutsche Bundestag deshalb zum 1. Januar 2026 ein neues Wehrdienst-Modernisierungsgesetz eingeführt, das eine verpflichtende Musterung für alle 18-jährigen Männer vorsieht. Der Wehrdienst bleibt zunächst jedoch freiwillig.
Alle Männer, die 2026 18 Jahre alt werden, erhalten einen Brief mit einem QR-Code und müssen verpflichtend einen Onlinefragebogen der Bundeswehr zur Erfassung ihrer Wehrbereitschaft und Fähigkeit zum Dienst ausfüllen. Frauen und trans Personen, die keinen männlichen Geschlechtseintrag im Pass haben, können freiwillig Auskunft geben. Wenn die betroffenen Männer den Bogen unvollständig, unwahr oder nicht zurücksenden, müssen sie mit einem Bußgeld rechnen. Das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung bleibt unabhängig davon bestehen.
Und so stehen junge Menschen plötzlich vor Fragen, die in den Generationen vor ihnen reine Theorie blieben: Würden sie zur Bundeswehr gehen oder den Dienst verweigern? Die Gründe für diese Entscheidung können äußerst unterschiedlich sein: Manche sorgen sich vor einem Angriff und wollen Freunde und Familie verteidigen, andere hält ihr Glaube vom Tragen einer Waffe ab. Die politische Ausrichtung der Bundesregierung oder der Nato könnte ein Beweggrund sein, bei anderen steht womöglich schon ein konkreter Karriereplan, den der Wehrdienst durchkreuzen würde. Die Erfahrung bei der Bundeswehr könnte reizvoll sein, manche fürchten hingegen Ausgrenzung wegen der eigenen sexuellen Orientierung. Auch der eigene Migrationshintergrund könnte die Abwägung für oder gegen den Wehrdienst beeinflussen.
Wir wollen von jungen Menschen des Jahrgangs 2008, die erstmals vom neuen Wehrdienst betroffen sind, wissen: Haben Sie den Fragebogen schon ausgefüllt und was bewegt Sie bei der Entscheidung? Wie würde ein Wehrdienst Ihren Lebensplan beeinflussen? Haben Sie Verständnis für die Einführung des neuen Wehrdienstes?
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