Angesichts der steigenden Zahl von Meldungen sexualisierten Fehlverhaltens in der Bundeswehr hat sich der Generalinspekteur einem Bericht zufolge an die Soldaten gewandt. Wie der Spiegel berichtete, mahnte General Carsten Breuer in einem internen Tagesbefehl, sexualisiertes Fehlverhalten jeglicher Art dürfe in der Bundeswehr nicht toleriert werden.
Er beobachte »den Umfang der Meldungen zu sexualisiertem Fehlverhalten mit großer Sorge«, sagte Breuer demnach in dem Tagesbefehl. Die Zahl sei »zu hoch«. Sexuelles Fehlverhalten habe keinen Platz in den Streitkräften. Es dürfe weder von Vorgesetzten noch von Untergebenen oder Gleichgestellten akzeptiert werden. »Ich zähle auf Ihre Haltung und Ihr Verantwortungsgefühl«, sagte der ranghöchste Soldat der Bundeswehr.
Dunkelfeldstudie zum Thema sexualisierte Gewalt
Hintergrund des Befehls sind die internen Meldungen über sexualisiertes Fehlverhalten. Unter dem Begriff fasst die Bundeswehr alle Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung zusammen. Dazu gehören neben sexualisierter Gewalt unter anderem auch anzügliche Äußerungen oder Annäherungen. Laut dem Spiegel-Bericht deuten die aktuellen Zahlen darauf hin, dass 2026 ein neuer Höchststand erreicht werden könnte. Im Jahr 2025 erfasste das Verteidigungsministerium 430 Meldungen, in den beiden Jahren zuvor waren es 395 beziehungsweise 385 Meldungen.
Dem Bericht zufolge sind nicht allein die intern gemeldeten Fälle ein Anlass für das Ministerium, sich mit dem Thema zu befassen. Hinzu komme eine Dunkelfeldstudie zum Thema sexualisierte Gewalt bei der Bundeswehr, für die Tausende aktive und frühere Soldatinnen nach ihren Erfahrungen mit sexualisiertem Fehlverhalten in der Bundeswehr befragt wurden. Mehr als 15 Prozent der kontaktierten Frauen sollen sich demnach zurückgemeldet und von ihren teils harschen Erfahrungen bei der Bundeswehr berichtet haben.
Die Studie sei fast fertig, heißt es in dem Bericht. Erste Ergebnisse hätten das Ministerium veranlasst, anzuordnen, dass gleichzeitig mit der Veröffentlichung der Studie auch ein Aktionsplan gegen Fehlverhalten in der Bundeswehr vorgelegt wird.
