In Deutschland sind im Jahr 2025 über 20.000 Kinder und Jugendliche
Opfer von sexuellem Missbrauch geworden. Das zeigt das Lagebild »Sexualdelikte zum
Nachteil von Kindern und Jugendlichen« des Bundeskriminalamts (BKA). Die Zahl der registrierten Fälle von Kindesmissbrauch habe um 4,7 Prozent zugenommen. Bei Fällen von Jugendlichen seien es vier Prozent mehr, heißt es darin. Um ein Fünftel (19,9 Prozent)
und damit besonders stark stiegen demnach die Fallzahlen im Bereich der Herstellung,
der Verbreitung, des Erwerbs und des Besitzes von Inhalten mit Missbrauch von Jugendlichen.
Das Lagebild beruht auf Daten der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS). Die Erhebung bildet das sogenannte Hellfeld,
also die polizeibekannten Fälle, ab. Daher verweist der Bericht darauf,
dass Schwankungen im Anzeigeverhalten die Statistik beeinflussten. Es sei von einem erheblichen Dunkelfeld auszugehen, heißt
es.
Demnach wurden im vergangenen Jahr 17.126 Fälle von
sexuellem Missbrauch an Kindern und 1.239 an Jugendlichen zur Anzeige »endbearbeitet«. 2024 hatte der Wert noch bei 16.354 bzw. 1.191 gelegen. Damit wurden 2025 nicht
nur mehr Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern festgestellt als 2024,
sondern auch mehr als im Fünf-Jahres-Durchschnitt. Dieser liegt laut BKA
bei 16.176,4.
Dreiviertel der Opfer waren weiblich
Das Lagebild zeigt auch, dass es 2025 mehr Opfer gab als in den Jahren zuvor. Demnach wurden im vergangenen Jahr 18.736 Kinder Opfer von sexuellem Missbrauch. 2024 hatte die Zahl noch bei 18.085 gelegen. Bei den jugendlichen Opfern stieg die Zahl
ebenfalls – von 1.259 auf 1.315. Rund drei Viertel der Opfer, sowohl im Kindesalter als auch im jugendlichen Alter, waren den Angaben zufolge weiblich. Die große Mehrheit
der Opfer im Kindesalter sei zwischen 6 und 13 Jahren alt gewesen, heißt es.
Eine besonders deutliche Zunahme zeigt die Erhebung im Fall
des sogenannten sexuellen Missbrauchs von Kindern ohne Körperkontakt. Als Beispiel
dafür nennen die Autoren das gezielte Ansprechen von Kindern im Internet zur
Anbahnung sexueller Kontakte, das sogenannte Cybergrooming.
Besonders viele Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern
pro 100.000 Einwohner meldet das BKA aus Bremen (27,9), Berlin (27,5) und
Thüringen (25,9). Sexuellen Missbrauch an Jugendlichen gab es demnach besonders
häufig in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt (jeweils 2,3) sowie in Thüringen (2,2).
Tatverdächtige und Opfer kannten sich häufig
Mehr als die Hälfte der Tatverdächtigen
kannte die Opfer im Kindesalter bereits vor der Tat, aus der Familie (22
Prozent), durch Freundschaften oder Bekanntschaften (27 Prozent) oder aus Institutionen,
Organisationen und Gruppen (fünf Prozent). Auch die jugendlichen Opfer und Tatverdächtigen
kannten sich in der Mehrheit der Fälle schon zuvor, es wurden jedoch weniger
Taten in dem Bereich Familie (11 Prozent) und dem Bereich Organisationen und
Gruppen festgestellt (vier Prozent). Viele jugendliche Opfer und Tatverdächtige kannten
sich demnach auf Grundlage von Freundschaften oder Bekanntschaften (41
Prozent).
Der Bericht zeigt, dass ein Großteil der Tatverdächtigen
männlich war. Bei Verdachtsfällen des sexuellen Kindesmissbrauchs waren es rund
94 Prozent, bei Fällen, die in den Bereich des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen
fallen, waren es rund 97 Prozent. Auffällig ist, dass fast
ein Drittel (31,4 Prozent) der Tatverdächtigen jünger als 18 Jahre alt waren.
Einen besonders hohen Anstieg zeigt das Lagebild bei der Herstellung, der Verbreitung, des Erwerbs und des Besitzes jugendpornografischer
Inhalte. Mit 11.515 Fällen stieg die gemessene Anzahl um 19,9 Prozent an. Dabei
fällt auf, dass mehr als die Hälfte der Tatverdächtigen minderjährig gewesen
sein soll.
