
Vom deutschen Buchmarkt kommen schlechte Nachrichten: Die Zahl der Buchkäufer sinkt schon seit Jahren. Im vergangenen Jahr haben nur noch knapp 26 Millionen Deutsche mindestens ein Buch gekauft, fünf Jahre vorher waren es noch fast 31 Millionen. Im Mittel sind dem Buchmarkt also rund eine Million Leser im Jahr abhandengekommen. In den vergangenen Jahren klammerte sich die Branche hoffnungsvoll an den Boom der New-Adult-Literatur. Darüber rümpfte zwar mancher Literaturkritiker die Nase, die Buchhändler und Verlage aber freuten sich, dass endlich wieder mehr junge Erwachsene in die Buchläden kamen und sich zwischen die Grauhaarigen mischten.
Die Genres Young und New Adult entwickeln sich zwar weiterhin gut, aber im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche einen starken Rückgang bei den noch jüngeren Lesern. Die Zahl der Jungen und Mädchen zwischen 10 und 15 Jahren, die sich ein Buch kauften, ging im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 30 Prozent zurück. Das alarmiert die Branche. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels beklagt seit Jahren, dass die Lesekompetenz schwindet. Jedes vierte Kind verlasse die Grundschule, ohne richtig lesen zu können. Der Vorsteher des Börsenvereins, Sebastian Guggolz, sieht vor allem die Politik in der Pflicht, die Lesekompetenz zu verbessern. Lesen sei „immaterielle Infrastruktur – so grundlegend wie Straßen, Stromnetze und eine funktionierende Infrastruktur“. Da hat er sicher recht, wenngleich die Schulen sich sicherlich redlich bemühen. Manche Kinder können auch deshalb nicht gut lesen, weil ihre Lebensumstände ein kontinuierliches Lernen bisher nicht erlaubt haben.
Gut lesen können sicherlich die Älteren, aber auch in der Altersgruppe zwischen 50 und 60 Jahren ging die Zahl der Buchkäufe im vergangenen Jahr merklich zurück. Das könnte auch daran liegen, dass viele sparen müssen und sich manch einer mittlerweile Bücher gebraucht kauft. Der Markt für Gebrauchtbücher ist jedenfalls in den vergangenen Jahren gewachsen. Neben reinen Gebrauchtbuchhändlern wie Medimops tasten sich inzwischen auch die großen Buchhandelsketten wie Thalia und Hugendubel in den Gebrauchtmarkt vor. Kein Wunder: mit jeder Haushaltsauflösung kommen hunderte Gebrauchtbücher auf den Markt. Das drückt die Preise.
