British American Tobacco (BAT) ist dabei, 9000 Arbeitsplätze abzubauen, was fast einem Fünftel seiner globalen Belegschaft entspricht. Der in London ansässige Konzern, dem Zigarettenmarken wie Lucky Strike, Dunhill und Pall Mall gehören, will damit seine jährlichen Kosten bis Ende 2028 um 600 Millionen Pfund (700 Millionen Euro) senken. Entsprechende Pläne, die im Februar erstmals publik wurden, bestätigte BAT Anfang der Woche. Teilweise sei der Stellenabbau schon vollzogen, hieß es seitens BAT. Betont wurde auch, dass es sich nicht um ein neues Stellenabbauprogramm handelt.
Der Aktienkurs sank leicht um ein Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten ist die BAT-Aktie jedoch um 35 Prozent gestiegen. Das Unternehmen ist mit einem Börsenwert von 103 Milliarden Pfund (fast 120 Milliarden Euro) das fünftwertvollste im Londoner Aktienindex FTSE 100.
„Wir bauen eine zukunftsorientierte Organisation, die agiler, kostendisziplinierter und technologischer ist“, ließ sich BAT-Vorstandschef Tadeu Marroco zitieren. Der multinationale Konzern mit zu Beginn des Jahres noch etwa 47.000 Mitarbeitern entlässt in einigen Ländern Mitarbeiter in der Verwaltung, in anderen Regionen werden Jobs an Dienstleister ausgelagert. Inwieweit Deutschland von dem Stellenabbau betroffen ist, bleibt unklar. Hierzulande beschäftigt der multinationale Tabakkonzern mehr als 700 Mitarbeiter, darunter etwa 210 in einem Werk in Bayreuth, wo Feinschnitt zum Selbstdrehen oder Stopfen von Zigaretten hergestellt wird. Die meisten noch verbliebenen europäischen Zigarettenfabriken liegen in Osteuropa. Das größte Werk im polnischen Augustów beschäftigt 1340 Mitarbeiter.
Tiefgreifender Umbruch der Branche
Der nach Philip Morris zweitgrößte westliche Tabakkonzern der Welt steckt wie die gesamte Branche in einem tiefgreifenden Umbruch. Die Nachfrage nach klassischen Zigaretten nimmt zumindest in westlichen Ländern stark ab, da die Zahl der Raucher deutlich sinkt. In Großbritannien wird der Verkauf von Zigaretten an alle, die nach 2009 geboren sind, vom nächsten Jahr an verboten.

British American Tobacco, Philip Morris und Wettbewerber haben teils sehr erfolgreich neue „rauchfreie“ Geschäftsfelder wie E-Zigaretten (Vapes) und Nikotinbeutel, sogenannte Pouches, entwickelt. Dort erwartet die Branche ein hohes jährliches Wachstum. In der vergangenen Woche hatte Jorge Araya, seit Mai Deutschland-Chef von BAT, der F.A.Z. gesagt: „Wir sind bereit, in Deutschland zu investieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“
Regulatorische Hürden
Bei seiner geplanten Transformation zu rauchfreien Produkten stößt BAT, wie auch die Wettbewerber, auf regulatorische Hürden. So dürfen in Deutschland Nikotinbeutel nicht verkauft werden. Die wachsende Nachfrage, Araya spricht von jährlich zweistelligen Zuwachsraten, bedient fast ausschließlich die organisierte Kriminalität mit gefälschter oder geschmuggelter Ware. Die meisten günstigen Vapes kommen heutzutage aus China, von Herstellern wie Elf Bar und dessen Tochtergesellschaft Lost Mary.
Gleichzeitig beschert Zigarettenschmuggel der Branche und den Finanzbehörden erhebliche Verluste. Geschmuggelte, unversteuerte Zigaretten sind sehr viel günstiger und werden in vielen Ländern unter der Ladentheke gehandelt. BAT hat angekündigt, eine Fabrik in Südafrika zu schließen, „vor allem wegen des unhaltbaren Niveaus von illegalen Produkten, die jetzt den Markt dominieren“. In Europa ist die Lage in Frankreich besonders drastisch. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass der Anteil illegal konsumierter Zigaretten (gefälschte oder geschmuggelte Ware) dort bei 38 bis 49 Prozent des gesamten Zigarettenkonsums liegt.
In Deutschland ist der illegale Handel noch nicht so stark verbreitet. Die Industrie befürchtet aber, dass sich das bei einem starken Anstieg der Tabaksteuer ändert. Diese soll nach den Plänen des Bundesfinanzministeriums vom kommenden Jahr an um neun Prozent jährlich steigen. Die Steuer auf Feinschnitt soll sogar um 20 Prozent pro Jahr erhöht werden.
BAT hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von mehr als 25 Milliarden Pfund (fast 30 Milliarden Euro) gemacht, mehr oder weniger gleichbleibend zum Vorjahr. Fast die Hälfte seiner Einnahmen erzielte BAT in den USA, den Rest in Europa, Südamerika und in Asien. Das Unternehmen ist weiterhin hochprofitabel. Der operative Gewinn stieg auf knapp 10 Milliarden Pfund. Damit erzielte BAT eine Gewinnmarge von 39 Prozent. Der Anteil der rauchfreien Produkte am Umsatz ist inzwischen auf fast ein Fünftel gestiegen. BAT meldete, dass inzwischen mehr als 34 Millionen Rauchfrei-Kunden gewonnen wurden.
Der Marlboro-Hersteller Philip Morris International (PMI) wächst besonders stark. Er hat im vergangenen Jahr seinen Netto-Umsatz auf mehr als 40 Milliarden Dollar (35 Milliarden Euro) gesteigert, darunter fast 17 Milliarden Dollar mit rauchfreien Geschäften. Der Umsatz wuchs um rund 15 Prozent. Der aktuelle Börsenwert liegt bei 285 Milliarden Dollar, er stagnierte in den vergangenen zwölf Monaten.
