Ein Richter des Obersten Gerichts in Brasilien hat einen Haftbefehl gegen den Bruder des Präsidentschaftskandidaten Flávio Bolsonaro, Eduardo Bolsonaro, erlassen. Dieser war im Juni zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte während eines Strafverfahrens gegen seinen Vater, den ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro, bei der US-Regierung unter Präsident Donald Trump für Sanktionen gegen brasilianische Regierungsmitglieder und höhere Zölle auf brasilianische Exporte geworben.
Der 42-jährige ehemalige Abgeordnete lebt seit 2025 in Texas und besitzt eine US-Aufenthaltsgenehmigung. Richter Alexandre de Moraes ordnete an, dass Bolsonaro seine Haftstrafe unverzüglich antreten müsse. Sollte er nach Brasilien zurückkehren, müsse die Bundespolizei ihn festnehmen. Zudem entzog der Richter ihm den brasilianischen Pass.
Eine Auslieferung aus den USA gilt als unwahrscheinlich. Nach Einschätzung von Rechtsexperten gibt es dafür möglicherweise keine ausreichende rechtliche Grundlage. Die US-Regierung müsste einem entsprechenden Antrag zustimmen. Zudem sei der Straftatbestand der Einflussnahme auf ein Gerichtsverfahren im Auslieferungsvertrag zwischen beiden Ländern nicht als auslieferungsfähiges Delikt aufgeführt.
Verbindung zu Trump
Eduardo Bolsonaro gilt als wichtiger Verbindungsmann seines Bruders zur US-Regierung unter Donald Trump. Im Mai hatte er Flávio Bolsonaro ins Weiße Haus begleitet, wo dieser den Republikaner traf.
Am Sonntag wurde in einem ersten Wahlgang in Brasilien gewählt. Flávio Bolsonaro lag dabei vor dem Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva. In weniger als drei Wochen treten die beiden in einer Stichwahl an.
