Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und der staatliche
Ölkonzern Petrobras haben angekündigt, nach zehn Jahren Unterbrechung
die Bohrungen im Amazonasbecken wieder aufzunehmen. »Wir lieben
Brasilien, wir lieben Petrobras, wir wollen gut leben, gut arbeiten und
gut studieren, und das ist nur mit wirtschaftlichem Wachstum möglich«, teilte der linksgerichtete Präsident bei einer Zeremonie im nördlichen
Bundesstaat Amazonas mit.
Der Präsident begründete diesen Schritt weiter damit, dass die Einnahmen aus dem Verkauf fossiler
Brennstoffe benötigt werden würden, um die Energiewende zu finanzieren. Während der Zeremonie sprach sich Lula für einen schrittweisen Ausstieg aus fossilen
Brennstoffen aus, um den Klimawandel einzudämmen. Er ist jedoch der Ansicht, dass Brasilien, das im vergangenen Jahr der neuntgrößte
Ölproduzent der Welt war, dafür auf die Erlöse aus der Ölproduktion angewiesen sei.
Die Chefin von Petrobras, Magda Chambriard, kündigte Investitionen in Höhe von 2,5 Milliarden Real (etwa 430 Millionen Dollar) an. Damit sollen 22 neue Bohrlöcher im Ölfeld Urucú, wo die Förderung vor rund vierzig Jahren begonnen hatte, gebohrt werden. Klimaschützer kritisierten die angekündigte Wiederaufnahme der Ölbohrungen. Eine Zerstörung der Umwelt müsse unbedingt verhindert werden, forderten diese.
Brasiliens Präsident unterstützt auch Ölförderprojekt vor der Küste des Amazonasgebiets
Fast zehn Jahre lang hatte Petrobras in der Amazonasregion keine neuen Bohrlöcher mehr gebohrt. Das Gebiet im größten Regenwald der Welt beherbergt das größte Onshore-Vorkommen Brasiliens. Etwa acht Prozent der nationalen Erdgasproduktion im Jahr 2025 stammten von dem Standort. Er ist somit für die Energieversorgung des vergleichsweise armen Nordens Brasiliens von großer Bedeutung.
Lula, der im Oktober seine Wiederwahl anstrebt, befürwortete zuletzt auch ein umfangreiches Ölförderprojekt vor der Küste des Amazonasgebiets. Fast 95 Prozent der Ölproduktion des Landes stammt aus Offshore-Vorkommen, die auf Ölinseln im Meer gefördert werden. Während der UN-Klimakonferenz COP30, die in der brasilianischen Amazonasstadt Belém ausgerichtet worden war, hatte Lula die Staats- und Regierungschefs der Welt aufgefordert, einen »Fahrplan« für den Ausstieg aus fossilen Energien vorzulegen. Seine eigene Regierung hat ihren Plan jedoch bislang nicht vorgelegt. Eigentlich hatte sie sich dazu verpflichtet, dies bis spätestens Februar zu tun.
