
Der Bankenmarkt Italiens bleibt dynamisch. Nicht nur greift Unicredit nach der Commerzbank, am Sonntagnachmittag präsentierte auch die Nummer drei des Landes, Banco BPM, ein Übernahmeangebot für Monte dei Paschi di Siena (MPS), die älteste Bank der Welt. Damit würde nach Angaben von BPM ein neuer italienischer Bankenriese mit einer Börsenkapitalisierung von mehr als 50 Milliarden Euro entstehen, der nach den Marktanteilen in Italien die Nummer zwei des Landes hinter Intesa Sanpaolo wäre. Zum Vergleich: Die Commerzbank wird von Anlegern derzeit mit rund 42 Milliarden Euro bewertet.
Grenzüberschreitender Aspekt
BPM ist 2017 aus einer Fusion der Volksbanken von Mailand und Verona entstanden. In Italien sind die Zusammenschlüsse von Volksbanken und Sparkassen deutlich weiter vorangeschritten als in Deutschland. Im Jahr 2024 versuchte Unicredit, BPM zu übernehmen, das scheiterte jedoch am Einspruch der italienischen Regierung. Diese dürfte diesmal wohlwollender auf die vorgeschlagene Transaktion schauen, weil sie schon länger den Aufbau eines dritten Bankenkonzerns neben Intesa Sanpaolo und Unicredit befürwortet. MPS, die vor nicht langer Zeit staatlich gerettet wurde, wäre damit Teil einer großen und im Erfolgsfall der Fusion auch stabilen Gruppe.
Die nun präsentierte Offerte hat auch einen grenzüberschreitenden Aspekt. Größter BPM-Aktionär ist die französische Bank Crédit Agricole mit einem Anteil von rund 20 Prozent. Die Franzosen stimmen dem Vorstoß zu. BPM schlägt die Transaktion als „Fusion unter Gleichen“ vor, welche die „Identität beider Institute und ihre regionale Verwurzelung bewahren soll“, heißt es.
Die gemeinsame Bank käme nach der Fusion laut Darstellung von BPM auf einen Nettogewinn von rund sechs Milliarden Euro. Das Synergiepotential beziffert sie auf 1,1 Milliarden Euro vor Steuern, davon mehr als 650 Millionen Euro als Kostensynergien. Besonders stark wäre die Bank hinsichtlich ihrer Filialzahl nach eigenen Angaben in der Lombardei, der Toskana und Venetien.
Mit Spannung wird nun die Reaktion von MPS erwartet. Dort hatte es vor einigen Wochen erst einen aufreibenden Machtkampf gegeben, den der Vorstandsvorsitzende Luigi Lovaglio gegen einige Großaktionäre gewann. MPS ist zudem gerade dabei, die im vergangenen Jahr übernommene Investmentbank Mediobanca aus Mailand zu integrieren. BPM meint, die vorgeschlagene Transaktion würde „sich effizient und ergänzend in die derzeit laufende Integration von Mediobanca einfügen“. Interessant ist für BPM auch der Kapitalanteil von Mediobanca am führenden italienischen Versicherer Generali, Mediobanca hält an Generali rund 13 Prozent.
