
Mit SpaceX hat Musk einmal mehr demonstriert, dass er sich auf die Ergebenheit seiner Investorengemeinde verlassen kann. Das Raumfahrtunternehmen hat einen fulminanten Börsengang hingelegt. Es erlebte am ersten Handelstag einen deutlichen Kurssprung und wird nun mit mehr als zwei Billionen Dollar bewertet. Damit gehört SpaceX aus dem Stand zu den zehn wertvollsten börsennotierten amerikanischen Unternehmen, und Musk ist von einem Tag zum nächsten der erste Billionär auf der Welt geworden.
Die Bewertung von SpaceX ist innerhalb kurzer Zeit dramatisch angestiegen. Vor einem Jahr wurden im Rahmen außerbörslicher Aktienverkäufe noch 400 Milliarden Dollar veranschlagt, vor sechs Monaten 800 Milliarden Dollar. In der Zwischenzeit hat SpaceX Musks defizitäres KI-Unternehmen X.AI gekauft und es dabei erstaunlich hoch bewertet. X.AI hat selbst erst im vergangenen Jahr Musks Onlineplattform X, die mit rückläufigen Werbeumsätzen kämpft, teuer erworben. An den Finanzmärkten wurden all diese hohen Bewertungen weitgehend hingenommen, ohne mit der Wimper zu zucken, und auf ihrer Basis hat SpaceX die Messlatte für den Börsengang noch einmal deutlich höher gelegt.
Auch zum Börsendebüt hat das Unternehmen reichlich Schützenhilfe bekommen. Die beteiligten Banken gaben ihr Möglichstes, um SpaceX hochzujubeln, etwa mit abenteuerlichen Umsatzprognosen. Die Börse Nasdaq änderte ihre Regeln, um SpaceX einen schnellen Weg in einen wichtigen Börsenindex zu ebnen, was sich als Stütze für den Aktienkurs erweisen dürfte.
SpaceX ist ohne Zweifel eine beeindruckende Erfolgsgeschichte, und Musk hat sie in einem schwierigen Markt und vieler Rückschläge zum Trotz geschrieben. Das Unternehmen ist heute der dominierende Anbieter von Raketenstarts und hat auch mit seiner Satellitensparte Starlink bislang eine unangefochtene Marktposition. Mit gewöhnlichen Maßstäben ist seine Marktkapitalisierung indes nicht zu rechtfertigen. Sie entspricht mehr als dem Hundertfachen des Umsatzes im vergangenen Jahr. Neben der KI-Sparte weist SpaceX auch in seinem traditionellen Raumfahrtgeschäft derzeit Verluste aus. Profitabel war zuletzt nur Starlink, das gegenwärtige Kronjuwel.
Aber Musk hat es geschafft, die Spielregeln für seine Unternehmen zu verändern. Er zeichnet futuristische Visionen für sie auf und überzeugt die Finanzmärkte, die Bewertungen danach auszurichten und nicht nach dem gegenwärtigen Geschäft. Das ist auch beim Autohersteller Tesla so, dessen Verkaufszahlen ins Stocken geraten sind, dessen Aktienkurs sich aber vor allem auf Musks Versprechungen stützt, Zukunftsmärkte wie Roboterautos und humanoide Roboter zu besetzen. Ähnlich kühne Verheißungen macht er nun auch für SpaceX. Am Tag des Börsengangs hat er gesagt, das Unternehmen wolle die Menschen „zum Mond, zum Mars und letztlich darüber hinaus“ bringen.
Es wird Musk auch nicht verübelt, dass er die künftigen Aktionäre von SpaceX schon vor dem Börsengang entmachtet hat. Er hat das Unternehmen so konstruiert, dass er mehr als 80 Prozent der Stimmrechte kontrolliert, der Börsenprospekt hat deutlich gemacht, dass nur er sich selbst als Vorstandschef entlassen könnte. Er kann also Entscheidungen weitgehend im Alleingang treffen. Sollte es ihm zum Beispiel in den Sinn kommen, SpaceX und Tesla zu fusionieren, was gut möglich scheint, haben zumindest die Aktionäre von SpaceX dabei kaum etwas mitzureden.
Musk hat sich die Finanzmärkte unterworfen. Und der Börsengang von SpaceX ist nun für ihn auch mit dem persönlichen Meilenstein verbunden, Billionär zu sein. Er selbst versucht oft, den Anschein zu erwecken, Geld sei ihm nicht sonderlich wichtig. Aber auf die mit seinem Reichtum verbundene Macht legt er gewiss großen Wert, und er setzt sie auch gezielt ein. Die teure Übernahme der Onlineplattform Twitter hat ihn in die Lage versetzt, den politischen Diskurs mitzubestimmen, und er hat viel Geld ausgegeben, um Donald Trump zu einer zweiten Amtszeit als US-Präsident zu verhelfen. Wenn sein Reichtum nun also immer neue Höhen erreicht, ist das nicht nur für ihn persönlich relevant. Es sollte die breite Öffentlichkeit beunruhigen.
