
Der Skandal um überteuert verkaufte Autokredite in Großbritannien zieht für BMW noch viel höhere Schäden nach sich als zuvor gedacht. Die Tochtergesellschaft BMW UK hat die Rückstellungen in ihrer Bilanz von etwas über 200 Millionen Pfund auf 611 Millionen Pfund (710 Millionen Euro) erhöht, um Schadenersatzforderungen von Autokreditkunden zu bedienen. Das geht aus dem jüngsten Jahresbericht der britischen Firma hervor.
BMW UK teilte der F.A.Z. dazu auf Anfrage mit: „BMW Financial Services UK hat finanzielle Rückstellungen gemäß dem von der FCA veröffentlichten Entschädigungsplan gebildet und wird weiterhin wie gewohnt im Rahmen der planmäßigen Finanzberichte der BMW Group darüber berichten.“ Aufgrund der hohen Rückstellungen fiel BMW UK im vergangenen Jahr in die roten Zahlen und verbuchte einen Verlust von knapp 140 Millionen Pfund. Auch andere Autohersteller wie Mercedes-Benz und Ford sowie einige Banken haben hohe Summen zurückgelegt, um für die Folgen der Autokredit-Affäre vorzusorgen.
Die Finanzaufsichtsbehörde FCA will sie zur Kompensation geschädigter Kunden zwingen. Im Kern geht es bei dem Skandal darum, dass Autokäufern über viele Jahre rechtswidrig überteuerte Kredite vermittelt wurden. Die Kunden erfuhren nicht, dass die Kredite versteckte Vermittlergebühren enthielten. Etwa 12 Millionen Autokäufer aus den Jahren 2007 bis 2014 könnten nun Entschädigungen verlangen, entschied die FCA. Im Durchschnitt dürften sie rund 830 Pfund erhalten. Die Entschädigungssumme soll bei 7,5 Milliarden Pfund liegen.
Gesamtkosten von 9,1 Milliarden Pfund
Die Gesamtkosten der Affäre für die Autofinanzierungsbranche werden auf 9,1 Milliarden Pfund geschätzt. Der FCA-Entschädigungsplan ist aber rechtlich hochumstritten. Mehrere Unternehmen, darunter Mercedes-Benz und Volkswagen, haben dagegen Klagen eingereicht.
Auch die Gegenseite beschwert sich über die FCA-Entscheidung. Die Verbraucherschutzgruppe „Customer Voice“, die massenhaft Schadenersatzansprüche vertritt, argumentiert, dass die FCA-Berechnungen für die geschädigten Kunden nicht ausreichend seien. Inzwischen bemühen sich Heerscharen von Anwälten um den Skandal und versuchen, Forderungen von Kunden einzusammeln.
BMW liegt nicht an der Spitze der Unternehmen mit den potentiell größten Schadenersatzrechnungen wegen des Skandals. Lloyds Banking Group hat Rückstellungen von 1,95 Milliarden Pfund gebildet. First Rand legte für seine britische Bankentochter Aldermore 750 Millionen Pfund zurück. Die Barclays-Bank hat 430 Millionen Pfund zurückgelegt, die britische Tochtergesellschaft von Mercedes-Benz 424 Millionen, die Bank Close Brothers 324 Millionen Pfund und die Ford-Tochtergesellschaft 155 Millionen Pfund. Der jahrelange Verkauf überteuerter Autokredite gilt als der größte Verbraucherschutzskandal in Großbritannien seit fast zwei Jahrzehnten.
Nikhil Rathi, der Chef der Finanzaufsicht FCA, hat dieses Jahr indes gewarnt, dass das Programm noch „insgesamt oder teilweise gekippt werden“ könnte durch die juristischen Einsprüche. Ein britisches Gericht, das Upper Tribunal, wird darüber im Dezember oder Anfang nächsten Jahres verhandeln.
