Der Goldene Löwe der Biennale von Venedig ist ein besonders
schöner Preis: ein geflügelter Löwe, das venezianische Wappentier, ganz in
Gold. Er ist einer der begehrtesten Kunstpreise überhaupt, dem Oscar für Filmschaffende vergleichbar.
Jede Künstlerin, jeder Künstler will den Goldenen Löwen haben. Wegen einer verlogenen
Vorabentscheidung der diesjährigen Jury der Kunstbiennale von Venedig wäre
diese Verleihung beinahe zum Skandal geworden. Eine Entscheidung, die jetzt
konsequenterweise zum Rücktritt dieser Jury führte.
Kommende Woche beginnt die Biennale, die – neben der alle
fünf Jahre stattfindenden Documenta – wichtigste Kunstausstellung der Welt. Und
so wird auch dieses Jahr die Kunstwelt wieder nach Venedig reisen, um die große
Ausstellung im Arsenale zu sehen, die diesmal von der 2025 verstorbenen Koyo
Kouoh und ihrem Team kuratiert wurde, aber auch die Beiträge in den 100 Pavillons, die jeweils von den teilnehmenden Ländern organisiert, kuratiert und
bestückt werden. Üblicherweise verleiht dann eine internationale, fünfköpfige Jury am ersten Wochenende der Ausstellung den Goldenen Löwen für
den besten Künstler aus der großen Arsenale-Ausstellung sowie einen Goldenen
Löwen für den besten nationalen Beitrag. Kaum eine Künstlerin, kaum ein
Künstler möchte ihr oder sein Werk heute noch auf Nationalismen festschreiben
lassen, deshalb zeugt diese Art Olympiade der Kunstnationen schon seit
Jahrzehnten von einiger Absurdität. Man spielt trotzdem mit.
