Was kommt dabei heraus, wenn man Numismatik mit der Apostelgeschichte in Form eines Videospiels kombiniert? Die Prügelei des Paulus vor dem Artemis-Tempel in Ephesus, könnte man überspitzt sagen. In der Bibel ist zwar nicht von einem Faustkampf des Apostels die Rede. Doch immerhin von einem Aufruhr, den der Silberschmied Demetrius anzettelt, da er sein Geschäftsmodell in Gefahr sieht. Schließlich verbreite dieser Paulus überall, was mit Händen gemacht sei, das seien keine Götter – und damit auch nicht die silbernen Artemis-Tempel, die der Schmied herstellt. In der neuen virtuellen Ausstellung im Frankfurter Bibelhaus Erlebnismuseum wird daraus ein kleines Spiel, bei dem sich der Besucher dem digitalen Medium gemäß mit Controllern in den Händen durch Faustschläge des angreifenden Mobs erwehrt.
Münzen seien das schwierigste Medium für eine Ausstellung, sagt Veit Dinkelaker, Direktor des Bibelmuseums, bei der Präsentation der Sonderausstellung „VR-Reise mit Paulus – Münzen aus aller Welt vor 2000 Jahren“. Schließlich seien sie nur fingernagelgroß. Wer möchte, kann sich in Vitrinen natürlich die neun Originale ansehen. Sie stammen aus Korinth, Thessaloniki, Antiochien, Tarsus und Ephesus und erzählen von den Reisen des Apostels. Doch der Clou ist, dass sich Besucher Computerbrillen aufsetzen können, um sich in ein virtuelles Museum zu begeben.

In den dreidimensionalen Räumen lassen sich nicht nur mit zwei Hand-Controllern Informationen abrufen oder die Münzen vergrößern, wozu ein hochauflösender, dreidimensionaler Scan der Universität Tübingen die Grundlage war. Man kann sich auch nach Jerusalem, Tarsus und Korinth teleportieren lassen. Zum Abschluss warten jeweils kleine Spielsequenzen. Außer der erwähnten körperlichen Abwehr des Mobs in Ephesus gehört dazu zum Beispiel auch, die Kollekte zu ordnen, indem man Münzen in Säcke wirft, oder einen Teppich zu flicken, schließlich war Paulus gelernter Zeltmacher.
Schon zum zweiten Mal arbeitet das Frankfurter Bibelmuseum für eine Ausstellung mit der Universität in Tübingen zusammen, wo die aktuelle Schau zuerst zu sehen war. Wie vor zwei Jahren bei der Ausstellung über den Tempel in Jerusalem kommt die Technik vom Sonderforschungsbereich „Andere Ästhetik“. Programmiert hat sie Luca Dreiling, der sich in seiner Masterarbeit mit der musealen und wissenschaftlichen Nutzung von Virtual Reality befasst hat.
Für manche seien Münzen „superlangweilig“, sagt Dreiling. Dabei zeigten sie durch das abgebildete Konterfei, „wer gerade Boss ist“, und seien eine Art Klatschpresse von damals. „Follow the money“ – folge dem Geld, sagt Museumsdirektor Dinkelaker und nennt noch einen weiteren Grund, warum gerade Geld ein Grund sein könne, sich mit Paulus zu beschäftigen: Bei den frühchristlichen Gemeinden habe der Apostel „Fundraising“ betrieben und Geld für die verarmte Urgemeinde in Jerusalem gesammelt. Die Urform der Kollekte habe damit eine neue Gemeinschaft zwischen Nichtjuden und Juden geschaffen und stehe für den diakonischen Gedanken.
Die Ausstellung im Bibelhaus Erlebnismuseum, Metzlerstraße 19, läuft bis 1. November und ist dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Zum Museumsuferfest kommt ein Team des Bibellabors Canstein aus Berlin, das die Bibel in die Minecraft-Welt verlegt, und am 15. September spricht Aleksandra Brand von der Universität Tübingen über Geld im Neuen Testament.
