Das Telefonat mit dem Fahrdienstleiter klingt routiniert. „Bitte um Fahrerlaubnis für Zug 88224, 14.04 Uhr, bis Altshausen“, meldet Dieter Stohr, als wäre es alltäglich für ihn. Dabei ist es für den 53-Jährigen, der im Führerstand des roten Dieseltriebwagens sitzt, eine ganz besondere Fahrt. Denn er lässt sich neben seinem normalen Beruf zu einer Rarität in Deutschland ausbilden: zum ehrenamtlichen Lokführer. Zum Freizeit-Bahnfahrer sozusagen.
Stohr übt auf der „Räuberbahn“, einer rund 25 Kilometer langen Strecke zwischen Altshausen und Pfullendorf in Baden-Württemberg, knapp eine halbe Autostunde nördlich des Bodensees. Die eingleisige Nebenbahn hat ihren Namen in Erinnerung an den „Schwarzen Vere“ und seine Räuberbande, die hier Anfang des 19. Jahrhunderts ihr Unwesen trieben. Der Personenverkehr in der dünn besiedelten Region wurde 1964 eingestellt, 2002 endete auch der Güterverkehr.
