Wer in den vergangenen Wochen mit dem Auto in den Urlaub gefahren ist, dem dürften zwei Dinge schmerzlich bewusst geworden sein: Erstens ist wegen der Erdölknappheit infolge des Irankriegs die Urlaubsfahrt teurer als im letzten Jahr, die Tankstellenpreise sind heute deutlich höher als im Sommer 2025. Zweitens fällt bei Urlaubsfahrten im Ausland auf, dass das Tanken zwar nicht in allen, aber doch in den meisten anderen europäischen Ländern billiger ist als daheim. Und auch innerhalb Deutschlands gibt es erhebliche Unterschiede – was wiederum mit dem Niedrigwasser auf den Flüssen infolge des Klimawandels zu tun hat.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Europäische Vergleichszahlen liefert das wöchentliche „Oil Bulletin“ der EU-Kommission. Hierzulande kostet E95-Kraftstoff demnach aktuell im Schnitt rund 2,14 Euro je Liter und damit gut 40 Cent mehr als im August 2025. Teilweise heftige Preisanstiege gab es auch im europäischen Ausland, seit die USA und Israel Ende Februar Iran angegriffen haben und kurz darauf die für den Öltransport per Tankschiff wichtige Meerenge von Hormus von Iran weitgehend blockiert wurde.
Aber auffällig ist: Obwohl auch andere europäische Länder unter den Kriegsfolgen leiden, ist dort der Sprit derzeit oft billiger. Im EU-Durchschnitt kostete der Liter E95-Benzin zu Wochenbeginn 1,91 Euro und damit 23 Cent weniger als in Deutschland. Im Auslandsurlaub also tankt man in den meisten Fällen günstiger als zu Hause. In 24 der 27 EU-Mitgliedstaaten sind derzeit die Benzinpreise niedriger als in Deutschland.
Eine Neuentdeckung dieses Sommers: Zum Sparen nach Schweden!
Teurer ist der Tankstopp diesen Sommer lediglich in den Niederlanden, in Dänemark und Finnland. Vor allem in Ost- und Südeuropa ist der Kraftstoff dagegen deutlich günstiger zu haben. Das liegt in manchen Fällen auch daran, dass Regierungen dieses Jahr mit temporären Steuernachlässen reagiert haben, um den Anstieg der Spritpreise durch den Irankrieg abzudämpfen.
Über eine solche Entscheidung kann sich freuen, wer im Urlaub mit dem Auto in Schweden unterwegs ist. E95-Benzin kostet dort aktuell im Schnitt umgerechnet rund 1,30 Euro je Liter und ist damit trotz Irankrieg sogar günstiger als vor einem Jahr. Eine Rolle spielt dabei, dass die Regierung in Stockholm die Energiesteuer und den CO₂-Preis auf Kraftstoffe vorübergehend gesenkt hat. Ähnliche Sonderregeln gelten aktuell auch in Spanien, Österreich und Italien. In Deutschland ist dagegen die befristete Steuersenkung der Bundesregierung („Tankrabatt“) Ende Juni nach zwei Monaten ausgelaufen. Das trieb im Juli die Inflationsrate nach oben.
Steuern spielen aber auch in normalen Zeiten – also ohne Versorgungsengpässe beim Öl – eine wichtige Rolle für die Tankpreise. In Deutschland machen Mehrwertsteuer, Energiesteuer und CO₂-Preis zusammen mehr als die Hälfte des Endkundenpreises für Benzin aus. In manchen europäischen Ländern sind die Steuern auf Kraftstoffe deutlich niedriger, etwa in Tschechien, Polen und Spanien. In einer Reihe von Ländern liegen sie aber auf einem ähnlichen Niveau wie hierzulande oder höher, zum Beispiel in Frankreich, Italien, den Niederlanden und der Schweiz. Das zeigt ein Vergleich des Analysehauses Frontier Economics im Auftrag des Mineralölverbands EN2X. Er bezieht sich auf die Zeit kurz vor dem Irankrieg.
Ein Dauerthema ist die Frage, ob mangelnder Wettbewerb und Mauscheleien in der Mineralölwirtschaft Benzin und Diesel teuer machen. Die Experten der Monopolkommission wiesen im Frühjahr darauf hin, dass in Deutschland unmittelbar nach Beginn des Irankriegs die Kraftstoffpreise auffällig stark gestiegen seien. Das könne auf eine „geringere Wettbewerbsintensität im Kraftstoffmarkt“ hindeuten. Fachleute sehen ein Wettbewerbsproblem weniger an den Tankstellen als im Raffineriemarkt und im Großhandel für Mineralölprodukte.
Seit April dürfen Tankstellen in Deutschland ihren Preis nur noch einmal täglich, nämlich um 12 Uhr mittags, erhöhen, Preissenkungen sind dagegen immer möglich. Das soll zu mehr Preistransparenz führen. Die Folge der neuen Regel: Am günstigsten sind Benzin und Diesel seither im Tagesverlauf am späten Vormittag. Kurze Zeit später dagegen sind die Preise teilweise 20 Cent je Liter höher.
Preisunterschiede von mehr als 20 Cent je Liter gibt es in Deutschland aber auch regional. Hier kommt das Niedrigwasser in den Flüssen ins Spiel, denn dadurch wird der Transport von Öl und Kraftstoffen auf dem Wasserweg eingeschränkt. Das wirkt sich unterschiedlich stark aus. In Süddeutschland etwa spielen Rohrleitungen bei der Versorgung der Raffinerien eine größere Rolle, die Abhängigkeit von Tankschiffen ist dort geringer als anderswo im Land. Am günstigsten ist E95-Sprit innerhalb Deutschlands derzeit in Bayern. Hoch sind die Preise dagegen vor allem im Westen der Republik.
Und dann gibt es da noch einen ganz anderen Grund, warum die hohen Spritpreise wehtun: Trotz Fortschritten in der Motorentechnik ist der Durchschnittsverbrauch von Personenwagen in Deutschland in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten nicht gesunken. Dahinter steckt die Vorliebe vieler deutscher Autofahrer für schwere und durstige SUV-Modelle.
