
Der britische Luxusautohersteller Bentley hat sein erstes rein elektrisches Modell vorgestellt, ein massiges SUV, mit dem er neue und jüngere Kunden gewinnen will. Der neue Torcal, so der Name, ist mit einem Einstiegspreis von 173.300 Pfund (umgerechnet 200.000 Euro) etwas günstiger als das SUV Bentayga, das zweitürige Coupé Continental GT und die Limousine Flying Spur. Das neue Elektro-SUV, technisch verwandt mit dem Porsche Cayenne Electric, komme Mitte 2027 auf den Markt, teilte die Volkswagen-Tochtergesellschaft bei der Präsentation in London mit.
Der Torcal sei ein „erschwinglicherer Bentley“, sagte Vorstandschef Frank-Steffen Walliser. Gleichzeitig nannte er das Modell „einen der besten Bentleys, die es je gab“. Trotz eines Gewichts von gut 2800 Kilogramm ist das Fahrzeug erstaunlich schnell. Der Motor mit bis zu 888 PS Leistung kann es in knapp drei Sekunden von null auf hundert Stundenkilometer beschleunigen. Die maximale Reichweite der Batterie gibt Bentley mit 600 Kilometern an.
Mit neuen vollelektrischen Modellen haben andere Luxusautohersteller in jüngster Zeit gemischte Erfahrungen gemacht. Ferraris Elektrosportwagen stieß auf ein sehr geteiltes Echo. Die Designstudie eines neuen Elektro-Jaguars löste irritierte Reaktionen traditioneller Kunden aus. Als der Sportwagenhersteller McLaren jüngst ankündigte, erstmals ein SUV zu entwickeln, sagte der Vorstandschef, die Kunden wünschten kein reines Elektromodell. Rolls-Royce hat zwar seit 2023 ein vollelektrisches Modell im Angebot, das Coupé Spectre, einen Grand Tourer. Die älteren Pläne, schon 2030 eine reine Elektro-Marke zu sein, gab Rolls-Royce indes auf. Ähnlich die Entwicklung bei Wettbewerber Bentley: Auch dieser hat das Ziel der Elektrifizierung von 2030 auf 2035 verschoben. Danach wird es aber zusätzlich noch Hybride mit Verbrennermotor geben.
Schwächere Nachfrage in China und am Golf belastet Bentley
Nach eigenen Angaben hat Bentley 350 Millionen Pfund in seiner Autofabrik in Crewe südlich von Manchester investiert, um das künftige Elektromodell Torcal dort zu produzieren. Die Modelle werden weitgehend in Handarbeit gebaut. Wie auch einige andere Autohersteller steckt Bentley in einer schwierigen Situation: Die Nachfrage aus China ist deutlich schwächer als zuvor, der Irankrieg belastet die wichtigen Märkte am arabischen Golf. Im vergangenen Jahr erschwerten die US-Zollturbulenzen das Geschäft. Hinzu kamen aber auch einmalige Kosten durch die Entscheidung von VW, die Entwicklung einer neuen Elektrofahrzeugplattform einzustellen, die für Bentley, Porsche und Audi vorgesehen war.
Bentley hat 2025 etwas mehr als 10.000 Fahrzeuge verkauft, das waren fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Der Gewinn sank um 42 Prozent auf 216 Millionen Pfund. Der Luxushersteller kündigte daraufhin im März Stellenabbau an. Insgesamt baut Bentley 275 Arbeitsplätze ab, das sind etwa sechs Prozent der Belegschaft. Vorstandschef Walliser beschrieb die Situation als „ernst“. Der Hersteller müsse seine Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen.
