
Lettlands Behörden haben einen Tunnel entdeckt, durch den Migranten unterirdisch aus dem Nachbarland Belarus in das EU-Land gelangen konnten. Der Geheimgang ist nach Angaben von Innenminister Janis Dombrava von Grenzschutz, Militär und Polizei in der Nähe des geschlossenen Grenzübergangs Silene ausfindig gemacht worden. „Es ist der erste Tunnel dieser Art in Lettland“, sagte Dombrava lettischen Medienberichten zufolge in Riga und ordnete die Suche nach weiteren unterirdischen Gängen mit Hilfe elektronischer Geräte an.
Entdeckt worden sei der rund 10 Meter vom Zaun entfernte Tunnel beim Versuch, den Einreiseweg von einer Gruppe von aufgegriffenen Migranten zu rekonstruieren, die illegal die Grenze überschritten hatten. Nach Angaben des lettischen Grenzschutzes wurden 15 Personen festgenommen. Bislang hatten Migranten versucht, über den Grenzzaun nach Lettland zu gelangen. Dazu hatten sie einem Sprecher des Grenzschutzes zufolge Werkzeug wie Metallscheren oder selbstgebaute Leitern aus Ästen und Stöcken genutzt.
Der lettische Ministerpräsident Andris Kulbergs erklärte, kriminelle Netzwerke würden Migranten über Belarus nach Lettland und damit in den grenzkontrollfreien Schengen-Raum schleusen. Das eigentliche Ziel der Menschen liege jedoch meist in anderen europäischen Staaten. „Sie gehen dorthin, wo es am einfachsten ist“, sagte der Regierungschef. Kulbergs hatte die Schleusungen zuvor als „hybride Bedrohung“ durch die miteinander verbündeten Regimes in Belarus und Russland bezeichnet.
Im Rahmen der sogenannten „Operation Werwolf“ wolle die Regierung gezielt gegen die Transportnetzwerke und Logistikstützpunkte der Schleuser in Lettland vorgehen, sagte Lettlands Regierungschef. Zudem kündigte seine Regierung in einer Erklärung an, mit den Nachbarländern Estland, Litauen und Polen zu kooperieren. Litauen hatte im Juli ebenfalls einen Tunnel an der Grenze zu Belarus entdeckt.
