Der Bestand der vom Aussterben bedrohten Feldhamster hat sich in Thüringen bislang kaum erholt: «Es gibt nur noch ein paar wenige letzte Vorkommen des Feldhamsters in Thüringen, die noch eine Zukunft haben», sagte Gabriel Leicht, Referent im Praxiszentrum Feldhamsterschutz in Buttelstedt (Kreis Weimarer Land), über die Lage.
Das Versuchszentrum zählt nach eigenen Angaben mit mehr als 3.000 Hamsterbauen auf rund 250 Hektar zum größten Verbreitungsgebiet in Deutschland. Neben Buttelstedt gebe es im Freistaat nur noch einzelne Feldhamster-Vorkommen bei Erfurt und bei Gotha. Als Gründe für die dezimierten Bestände führt Leicht neben der Intensivierung der Landwirtschaft auch Trockenheit an. Die Hamster verdursteten, weil zu wenig Wasser und Beikräuter auf dem Boden verfügbar seien.
Schutzlos nach der Ernte
Da zudem nach der Ernte keine Stoppeln mehr auf den Feldern stünden, fehle es den Hamstern an Verstecken zum Schutz vor Fressfeinden wie Greifvögeln und Füchsen. Außerdem hätten es die Tiere schwer, genügend Vorräte für den Winter einzusammeln, da kaum mehr Getreidekörner auf den Flächen zurückblieben.
«Es ist möglich, moderne Landwirtschaft mit Hamsterschutz zu kombinieren», sagte Leicht und verwies auf entsprechende Versuche auf den Landesflächen in Buttelstedt. Auch sei bei einigen Bauern durchaus das Interesse da, etwas für den Schutz der Feldhamster zu tun. Dafür müssten allerdings auch die Kriterien von Förderprogrammen angepasst und Fördergelder angehoben werden.
Hamsterstreifen als Rettung
So könne etwa der Einsatz von speziellen landwirtschaftlichen Geräten wie Strohstriegeln dazu beitragen, den Lebensraum des stark bedrohten Feldhamsters zu verbessern, erklärte Leicht. Sie kommen nach der Ernte zum Einsatz, um das Stroh zu verteilen und den Boden oberflächlich zu bearbeiten. Eine effektive Schutzmaßnahme seien weiterhin sogenannte Hamsterstreifen, die den Tieren nach der Ernte überlebenswichtige Nahrung und Schutz böten. Diese speziell stehengelassene oder angebaute Ackerstreifen dienten als Deckung, um sicher Nahrung zu suchen.
Bald die ersten Jungtiere erwartet
Das Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum will heute zum Saisonauftakt aktuelle Schutzmaßnahmen im Thüringer Lehr-, Prüf- und Versuchsgut Buttelstedt vorstellen. Der Feldhamster erwacht jetzt aus dem Winterschlaf, danach beginnt die Paarungszeit. Mit den ersten Jungtieren ist laut Leicht Mitte Juni zu rechnen.
Ziel sei es nach wie vor, die Population zu erhalten, ohne dass es eine Zucht brauche. Thüringen gehöre derzeit zu den wenigen Bundesländern, die noch keine Zuchtstationen für Feldhamster haben, sagte Leicht.
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